Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 416)
- Language
- German
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298 Es ist ehrenvoll für Koheleth, dass er, um das Glück kennen zu lernen, es zuerst mit der Weisheit, der Philosophie versucht* einem gewiss idealen Lebensinhalt (II, 12—18). Allein es ist ein vergebliches Beginnen; denn durch alle Weisheit kann der Mensch den Gang der Welt nicht ändern. (II, 15). Ausserdem hat die Vermehrung der Weisheit eine Vermehrung und Ver~ Stärkung von Schmerz und Kummer zur Folge (II, 18), da der Weise die Uebel uud das Unbefriedigende der Welt und ihres Laufs nur um so deutlicher erkennt, während der Unvernünftige sie gar nicht merkt und demgemäss nicht beachtet. Wenn auch Koheleth zugestehen muss, dass der Weise, der offenen Auges durchs Leben geht, einen Vorzug hat vor dem Toren, der im Finsteren einherwandelt und die Erscheinungen des Lebens übersieht, so kann ihn dieser Vorzug doch nicht versöhnen; denn das physische Schicksal des Weisen, wie des Toren ist dasselbe: der Tod und nicht minder das Vergessen* werden schon in den nächsten Geschlechtern (II, 1316־). Und dazu kommt noch ein Weiteres. Koheleth sucht nunmehr Beriedigung im Genuss, in der Lebensfreude, im Glanz und Prunk,, wobei ihn seine Weisheit vor einem [sinnlosen Uebermass bewahrte (II, 1—12). Eine vorübergehende Befriedigung hat ihm der Genuss und die Freude, die den Lohn seiner Mühe darstellte allerdings gebracht; aber gerade seine Weisheit ist es, die ihm auch den Genuss und die Freude verleidet. Er, der weise König und Philosoph, sucht sich über das Wesen des Genusses und dem Zweck der Lebensfreude Rechenschaft abzulegen und sieh, auch, der Genuss stellt sich ihm als eitel dar, als ein Haschen nach Wind. Ganz gewiss ist auch ein tätiges Leben, ein ernstes Arbeiten ein Moment der Befriedigung, besonders wenn wir die Ernte, die aus der ausgestreuten Saat erwächst, beachten. Allein auch hier kommt der trübe Gedanke des Todes und die damit verbundene Notwendigkeit, dass der Mensch seine Erfolge an- Arbeit und Reichtum einem anderen überlassen muss, von demer nicht einmal weiss, ob er weise oder töricht sein wird, störend dazwischen und vernichtet grausam jede Befriedigung (II, 18 — 23)^. Koheleth verkennt keineswegs, dass Weisheit und Arbeit in objektivem Betracht einen Vorzug darstellen; aber in subjektiver