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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 178

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 178)
Language
German
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59 überhaupt jede Möglichkeit geraubt, zu einem, wenn auch noch so oberflächlichen, Verständnis dieses Bechts und der von ihm verfolgten Zwecke zu gelangen. Wer solches tut, der trägt in das jüdische Becht in beispiellos unwissenschaftlicher Weise einen völlig fremden Gedanken hinein und darf sich dann wahrlich nicht wundern, wenn die einzelnen Institute dieses Bechts ihm wie die lächerlichsten Zerrbilder entgegenstarren und er alsbald sich genötigt sieht, von der ״Höhe“ seiner modernen Anschauung den Stab über das gesamte jüdische Becht zu brechen. Und doch hätte schon allein die blosse Tatsache, dass das jüdische Becht sich überall klar undunzweideutig als göttliches Becht legitimiert, den Kritiker stutzig machen müssen. Ob der Kritiker persönlich an die Göttlichkeit dieses Bechts glaubt, ist lediglich seine Privatangelegenheit und steht hier nicht zur Diskussion. Aber ist es nicht die törichteste Verblendung, die unverantwortlichste Versündigung am heiligen Geist jeder Wissenschaft, wenn man an ein als göttlich sich ausgebendes und als solches von den ihm Unterworfenen stets gewahrtes Becht mit kecker Hand herantritt, ihm die göttliche Strahlenkrone raubt, statt dessen ein menschliches Gewand umwirft und es dann als schwerste Verschuldung des also misshandelten Bechts hinstellt, wenn die Formen desselben in das Gewand nicht passen wollen und Kanten und Ecken überall mit störender Deutlichkeit hervortreten? Immanente Kritik! Das ist die erste Forderung, die wir hier, wie gegenüber jedem Gebilde, erheben müssen, und da das jüdische Becht ein göttliches sein will, kann es nur als ein göttliches verstanden und beurteilt werden. Das moderne Becht musste, wie wir bereits gesehen, notwendig von der autonomen Ethik sich trennen. Die autonome Ethik fordert von mir, dass ich ״gut“ handle. ״Gut“ aber handle ich nur, wenn der meine Handlung causierende Wille gut ist. Das Becht verlangt nicht von mir, dass ich ״gut“, sondern dass ich ״rechtmässig“ handle, dass ich den Satzungen des Bechts Gehorsam zolle. Da aber das Becht ein von Menschen gesetztes ist, so muss der dem Becht gezollte Gehorsam an sich ethisch völlig gleichgültig sein. Weder also kann die autonome Ethik dem modernen Becht unmittelbar seine Sätze conkretisieren, noch kann das moderne Becht eine autonom ethische

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