Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 172)
- Language
- German
- Belongs to
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53 Die Lösung dieses Problems, zu der wir uns nun anschicken, führt uns zu dem letzten, dem fundamentalsten Unterschied, der jüdische und moderne Ethik für immer von einander trennt. Die Idee der Menschheit ist eine jüdische Idee. Aber sie ist nicht die einzige Idee des Judentums. Sie ist nicht einmal Grundlage des Judentums. Sie ist seine :selbstverständliche Voraussetzung. Zu Beginn der Menschheitsgeschichte mit ihrer die verschiedenartigsten M'enschentypen produzierenden Mannigfaltigkeit ׳wird die physische und moralische Einheit der Menschheit wie ein Motto, wie ein Leitstern von nie versagender Helligkeit, vorangestellt, um dann weiterhin, zumal in der speeifisch jüdischen Gesetzgebung, als theoretische Lehre nicht mehr wdederzukehren. Sie ist eine jüdische Idee, aber offenbar von Anbeginn nicht nur. für Juden bestimmt. Dagegen die Anwendung, die diese Idee im Judentum erfährt und in der auch das Judentum durchaus unter ihrer Konsequenz steht, ist eine speeifisch jüdische und trennt jüdische und ausserjüdische Anschauung um Meeresfernen. Die autonome Ethik hat die Idee der Menschheit zur Grundläge. Sie dient ihr dazu, die Machtsphären der Menschen gegeneinander abzugrenzen. Die Idee der Menschheit ist im Judentum Voraussetzung der Gottes dien er schaft. Dort dient sie zur Herleitung von Rechten der Menschen gegeneinander, hier zur Herleitung von Pflichten gegen Gott. Der autonomen Ethik ist die Idee der Menschheit letzte, fundamentalste, absolute Idee. Der Mensch als solcher ist ihr der höchste, der absolute Zweck. Dem Judentum ist die Idee der Menschheit nicht letzte, nicht absolute Idee. Sie ist Voraus- Setzung, Vorstufe der sie überragenden Idee der Gottesdienerschaft. Dem Judentum ist der Mensch nicht letzter Zweck und nicht darin besteht seine Würde, letzter Zweck zu sein. Die Würde der Menschheit besteht dem Judentum in der ihr kraft ihrer Gottesebenbildlichkeit zugefallenen Aufgabe, Träger göttlicher Ziel auf Erden zu sein. Die dem Vernunftwesen innewohnende Fähigkeit, sein Handeln als ein frei gewolltes sich vorzustellen und es so aus