Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 170)
- Language
- German
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51 t>ar erscheinen, dass sie also objectiv, d. h. allgemeingültig, als verwerflich erkannt werden, dass sie der Idee der Menschheit widersprechen, das sind die schweren Bedenken, die sich gegen sie erheben und die Frage zu einer geradezu brennenden gestalten : Wie verhält sich das mosaische Recht zur Idee der Menschheit? Die Frage ist bündig gestellt und bedarf einer bündigen Antwort. Hier ist sie: Die Idee der Menschheit ist eine der schönsten Perlen im Schatze jüdischer Lehre, sie ist eine Grundwahrheit des Judentums, sie ist diejenige jüdische Idee, die zuerst ihren Siegeszug aus dem jüdischen Lager in die ganze Welt angetreten, sie ist die erste Heilesbotschaft, die Israel einer nur Gewalt und Machtmissbrauch kennenden Staatengesellschaft gebracht hat. ״Gott erschuf den Menschen in seinem Bilde, im Ebenbilde Gottes hat er ihn erschaffen Hier haben wir den Lapidarsatz aus der Heiligen Schrift, der für ewige Zeiten die unveräusserliche, Gott ähnliche Hoheit des Menschen als solchen verkündet. Nicht die Rechtsfähigkeit, nein, die Gottesähnlichkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt! — Am Beginn der jüdischen Weltgeschichtsdarstellung steht der Mensch als solcher. Es ist unendlich bezeichnend, dass der erste Mensch keinen Namen hat. Er ist ״Adam“, der Mensch schlechthin. Jede Individualisierung, die seiner Gottesähnlichkeit ihre typische Bedeutung für seine gesamte Nachkommenschaft rauben und ihn in irgend eine specielle Beziehung zu einem bestimmten Volk oder einer bestimmten Wesensart bringen könnte, wird ängstlich vermieden. Und wie er der Mensch schlechthin, so ist sie, Chawa, die Mutter alles Lebenden. Die Einheit des Menschengeschlechts, wie das Judentum sie lehrt und die, von der anthropologischen Wissenschaft lange und heiss umstritten, heute erst allmählich zur herrschenden Anschauung heranwächst, ist gewissermassen die physische Grundläge, das Substrat der Vernunftidee der Menschheit als solcher• Der physischen Einheit des Menschengeschlechts entspricht die alle Menschen als vernünftige Willenswesen insgesamt mit einem Bande gegenseitiger unbedingter Achtung umschlingende Würde