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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 164

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 164)
Language
German
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45 stellt. Jeder Satz erscheint solcbermassen als historisch gerechtfertigt und an Stelle der zeitlos logischen Kategorie des Widerispruchs tritt der zeitlich bedingte Gegensatz, sei es der Erkenntnismittel, sei es der Weltanschauungen. Diese Methode wollen nun wir befolgen. Es ist klar, dass sie erst anwendbar wird, wenn die logische Methode ausgeschlossen erscheint. Ist aber für sie einmal Raum, dann hat sie vor jener den ungeheuren Vorzug einer durchgreifend principiellen Auseinandersetzung, die sich nicht mehr bei den Einzelheiten aufhält, vielmehr notwendig bis zum Kern der Sache vorzudringen gezwungen ist. Auch gehört diese Methode nicht mehr der Apologetik an, deren eigentliehe Waffe vielmehr die logische Methode ist. Die historische Methode verteidigt nicht und greift nicht an. Aber sie zieht Grenzen. Sie macht dem Wechsel der Zeit keine Konzessionen und verschmäht die unkritische Umdeutung längst festgestellter Begriffe. Aus den Händen der durch Tatsachen gestützten Logik nimmt sie den Widerspruch als gegeben hin und fragt nur nach seinen Gründen. Statt aus Scheu vor den Folgen für schwache Seelen die Verwischung von Eigenarten zu erstreben, ist es vielmehr ihr eigentliches Augenmerk, das Typische jeder Erscheinung zu erfassen und in völliger Klarheit herauszuarbeiten. Sie entkleidet die dogmatischen Modegötzen des Tages ihrer Hoheit und lehrt das in der Zeit Gewordene aus der Zeit verstehen. Sie ist durch und durch deductiv, indes die logische Methode inductiv verfährt. Gerade aber infolge dieses ihres deductiven Characters ist sie wie keine andere geeignet, dem Wesen des Judentums gerecht zu werden, dessen ganzes Lehrsysiem ein Bau von deductiver Geschlossenheit ohnegleichen ist. Wo immer daher die logische Methode versagt — und das Lt öfter der Fall, als viele ahnen —, wo sich vor dem erschrockenen Blick der allzu sehr in den Anschauungen der Zeit Befangenen unüberbrückbare Gegensätze auftürmen, Gegensätze, die, wie in dem von uns supponierten Fall, nicht mehr dem Re?ch kalt logischer V erstandeserkenntnis angehören, sondern den tiefsten Kern der lebenswarmen Personlichkeit aufs schmerzhafteste tangieren, da hilft kein ausgeklügeltes Compromiss mehr und keine mit dem Scheine der Legalität umkleidete Nachgiebigkeit, da muss es vielmehr der historischen Methode Vorbehalten bleiben, die geheimsten Ausgangspunkte der

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