Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 145)
- Language
- German
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26 Ursache in Wegfall gekommen sei. Es kann zu jeder Zeit durch bändert andere Zufälle eine Panik ausbrechen und zu einer Katastrophe fuhren, warum sollte also nach der Religionsverfolgung dieses Verbot aufgehoben werden? Eine einfache Bemerkung, die Konstatierung einer historischen Tatsache, die scheinbar den Kommentatoren entgangen ist, genügt, um Licht in diese Sache zu bringen und alle Verwirrungen zu lösen. Die Referenten in beiden Talmuden haben die Haupt- Sache nicht erwähnt, weil sie ihnen als eine allbekannte Tatsache galt, nämlich dass diese Art von Schuhen zur normalen Ausrüstung der römischen oder auch — wenn wir das Verbot in die Zeit der Syrerkämpfe verlegen — der syrischen Soldaten gehörte. VgL Midrasch Threni II, 7: ועושץ רושם במסמרות הגלגסין שלהן בקרקע בית המקדש, nach der richtigen Lesart bei Kohut, Aruch Completum s. v. ״ גלגסdie Nägel ihrer caligae Hessen Eindrücke zurück im Boden des Heiligtums“ (גלגס ist das lat. caliga), ferner das. s. v. והיו מנעליהן מסומרין והיו עושץ רשומות ברצפה :אות, im Namen des Jelamdenu. So erzählt auch Josephus, Bell. Jud. VI, 1, 8 von einem Centurio, der mit seinen groben genagelten Schuhen ins Heiligtum eindrang und den Boden beschädigte. Dazu ist zu vergleichen Lübker, Real-Lexicon des klassischen Altertums, unter caligae: ״Soldatenschuhe, bei den gemeinen Soldaten einfache HalBstiefeln. . ., bei den höheren Chargen mit silbernen oder goldenen Nägeln geschmückt, daher Suet. Cal. 12 speculatoria caliga.“ Aber auch von den syrischen Soldaten wird berichtet, dass sie solche genagelte Schuhe getragen haben. So erzählt Plinius XXXIII, 8, 14 und Val. Max. IX, 1 : magna ex parte aureos clavos crepidis subjectos habuit. Solches Schuhwerk gehörte also zu der gewöhnlichen Ausrüstung der feindlichen Soldaten, vor denen die zerspregten Scharen der Juden mit ihren Frauen und Kindern in die zahreich vorhandenen Höhlen sich geflüchtet hatten. Juden trugen im allgemeinen nur gewöhnüche Schuhe; in Ausnahmsfällen ist es vorgekommen, dass auch ein jüdischer Kämpfer mit derartigen Schuhen ausgerüstet war. Jetzt stelle man sich folgende Situation vor: Eine grössere Schaar von Flüchtlingen sucht Schutz in einer Höhle, wo sie sich vor den Späherblicken der Feinde geborgen glaubt, und man findet eines Tages ganz unverhofft auf dem Bö-