Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 139)
- Language
- German
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20 Wir haben es hier offenbar mit einer Redensart zu tun, die sich durch den Sprachgebrauch herausgebildet hat. und deren Ent* stehung man sich in folgender Weise erklären kann. Wenn wir sagen ״es hat nicht lange gedauert“, so wollen wir mit dieser Litotes ausdrücken, dass das Ereignis überraschend bald, früher als man erwarten konnte, eingetreten ist. Dasselbe soll auch mit dieser Redensart ausgedrückt werden. Im Jeruschalmi Joma I, 5 steht, entsprechend der obigen Bablistelle, לא באו ימים קלץ עד שמת . Das Wort קלין bedeutet ebenfalls ״wenig“ wie מועטץ♦ (Vgl. Sabbath 110 b und 153 b קלי קלי מעט מעט =). In der Tosefta Joma I, 8 steht dafür die genauere Angabe: לא שהה ג׳ ימים עד שנתנוהו בקברו und ebenso Par ah III, 8. Jedes Ereignis, freudiger oder trauriger Art, erfordert auf dem Wege der natürlichen Enwicklung ein gewisses Zeitmass, bis es in Erscheinung tritt, und es gibt dafür gewöhnlich ein Minimum und ein Maximum. Wenn eine Krankheit nach drei Tagen einen letalen Ausgang nimmt, so ist das, nach Moed Katan 28a, eine מיתת גערה, ein überraschend schneller Tod, dem etwas Ungewöhnliches anhaftet, während es nach fünf Tagen מיתת כל ״ אדםein gewöhnlicher Tod“ genannt wird. Drei Tage wären in diesem Falle ״ ימים מועטיןwenige Tage“, wenn einer jedoch noch früher hingerafft würde, wie es in der Tosefta oben heisst לא שהה ג, ימים, von dem sagte man לא היו ימים מועטין עד שמת. In ähnlicher Weise lässt sich die Entstehung dieser Redensart bei günstigen Ereignissen erklären. In Chulin 24 a wird gesagt, ein Schüler, der nach fünf Jahren des Lernens kein günstiges Resultat, סימן יפה, erzielt hat, der wird es auch zu nichts bringen. Nach anderer Ansicht reduziert sich diese Probezeit auf drei Jahre. Das wären in diesem Falle ימים מועטין. Ebenso hat es ein Mindestmass an Zeit gegeben, welches erfahrungsgemäss notwendig war, um die Ehrung zu erlangen* den Namen eines מורה הוראה בישראל führen zu dürfen 1). Ein Schüler, der durch Fähigkeit und Fleiss hervorragte, sodass er nicht einmal dieses Mindestmass an Zeit brauchte, um diese Würde zu erwerben, von dem sagte man: לא היו ימים מועטין עד שהורה הוראה בישיאל . *) Vgl. Sota 22a; Maitnonides H. Talmud Thora V, 4 ב״מ ולה״ם das.