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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 127

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 127)
Language
German
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8 Sprache noch eine lebende Sprache 1), sagt daher mit Recht, wenn חוסן schon Werg von Flachs bedeuten soll, dann wäre dies doch ein ganz schiefes Bild und die ganze Anspielung ginge verloren; es heisst doch, der חסון soll erst zu נעורת werden, also kann doch חופן nicht schon נעורת sein. Darauf gibt Abbaji die riehtige Erklärung: חופן ist der gebrochene Flachs, aus dem der נעורת erst gewonnen wird. Dann begreift man das Bild des Propheten: auch euer חסון soll zu ״Wergu werden2). XXXI. Für den Talmud lassen sich die obigen Beispiele noch reichlieh vermehren. Einzelnes davon ist schon von Früheren bemerkt worden. In Tamid 82a wird erzählt: Als Alexander der Grosse zu den זקני הנגב, zu den Weisen des Südens, kam, legte er ihnen zehn Fragen vor und sie gaben ihre Antworten zumeist in epigrammatisch zugespitzter Form, die sinnig und geistvoll zugleich war. Auf die Frage z. B.: ״ מה יעבד אינש ויהיהwas soll der Mensch tun, um wahrhaft zu leben?“ lautet die Antwort: ״ ימית עצמוer soll sich abtöten“, d. h. er soll den irdischen Genüssen keinen allzu grossen Wert beilegen. Aehnlich beantworteten sie die gegenteilige Frage, vgl. daselbst. Auf die Frage: ״ איזהו הכםAVer ist weise?“ antworteten sie: ״ הרואה את הנולדWeise ist, wer das Kommende, was im Schosse der Zeiten ruht und erst geboren werden soll, vorauszusehen vermag“. Vgl. Aboth II, 9. Auch hier liegt ein Wortspiel verborgen. In der Mischna heisst die Hebamme, die säge-femme: הכמה. Sie ist es, die das ״ נולדdas Neugeborene“ zuerst erblickt. Dementsprechend wird diese Eigenschaft oder Fähigkeit, in geistvoller l) Interessant ist diesbezüglich die Stelle Sanhedrin 25 b: Wenn der Steuereinnehmer nach der Stadt kam, warnte der Vater des R. Sera die Schüler mit den Worten des Propheten (Jes. 26, 20), die anderen Leute in aramäischer Sprache. Ferner Kidduschin 70 a: ״Gebrauche entweder den biblischen Ausdruck מעקה oder den rabbinischen Ausdruck מחיצה!“ *) Die obenstehende Erklärung habe ich vor Jahrzehnten Professor Franz Delitzsch in Leipzig mitgeteilt, der mir darauf schrieb, dass er sie als אומד דבר בשם אדמת—so seine eigenen Worte—in meinem Namen in seinen Vorlesungen mitteiien werde. Wie mir gesagt wurde, steht sie auch in meinem Namen in der 4. Auflage seines Kommentars zu Jesaia.

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