Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 126)
- Language
- German
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ד heisst doch, der חסון wird zu Werg, demnach kann doch, wie Baschi erklärend hinzufügt, — in unseren Ausgaben steht es im Text — חוסן nicht schon נעורת sein. Daher sagt Abbaji, חוסן ist כיתנא דדייק ולא נפיץ Flachs, der gebrochen und noch nicht gehechelt und gereinigt ist1). So weit der Talmud. Man müsste demnach diese Worte so übersetzen: ״Der ungehechelte Flachs wird zu Werg, seine Verfertiger zum Funken usw.“ Das ist aber doch geradezu unverstündlich und es wird keinem Kenner des Talmuds einfallen zu sagen, dass er dem Propheten Jesaias einen solchen Gedanken hätte andichten wollen. Baschi hat die Schwierigkeit gefühlt und will uns darüber hinweghelfen, indem er den Ausdruck bildlich fasst: כלומר הגבור יהיה חלש, der Flachsstengel wird zu Flachs, das soll heissen: ״Der Starke wird schwach werden“. Müssen wir da nicht fragen: Kann ein Flachsstengel, und noch dazu ein gebrochener, als Bild der Stärke gebraucht werden? Ist es denkbar, dass Jesaias, dem die schönsten Bilder und treffendsten Vergleiche zu Gebote stehen, der die Zedern des Libanon, die Eichen Baschans, die hohen Bergesriesen als Bilder für die Mächtigen verwendet, hier ein so mattes, nichtssagendes Bild gewählt haben soll? Die richtige Erklärung dieser Talmudstelle und zugleich des Bibelverses ergibt sich, wenn wir uns klar machen, dass hier ein Wortspiel beabsichtigt ist. Der Prophet will auf den Götzen und dessen Verfertiger — oder was immer man darunter verstehen will: den Unterdrücker, den Gewalttätigen und sein Werk — das Bild vom Werg und dem Funken anwenden, um die Nichtigkeit und den spurlosen Untergang beider anzukündigen und anschaulieh zu machen. Er hätte dazu irgend einen beliebigen Götzennamen oder eine sonstige Bezeichnung, z. B. האדיר, wählen können, das Bild wäre immer richtig gewesen. Um es jedoch noch besser auszuführen und reizvoller zu gestalten, bedient er sich eines Wortspieles und wählt die Bezeichnung ״ חסוןder Starke“, welches Wort nebenbei an ״ חוסןungehechelter Flachs“ anklingt und sagt demnach: Wie man aus חוסן Werg macht, so wird auch euer חסון, euer Starker, zu Werg werden. Der Talmud, der diese Anspielung gar wohl verstand, denn damals war den Lehrern die hebräische *) Das Wort ונעורת in Raschi das« muss meines Erachtens ובעודה heissen.