Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Wort kauft man um einen Taler, das Schweigen um zwei“ (Megilla 18 a), so ist das eine Redensart, wie es deren viele in jeder Sprache gibt, um den Wert des Schweigens anzupreisen. Sie steht scheinbar nicht höher als die deutsche Fassung: ״Reden ist Silber, aber Schweigen ist Gold*. Wissen wir jedoch, wie Kappaport nachgewiesen hat, dass מילא eine Frucht vom Eschenbäum ist. die niedrig im Preise stand, und משתדקא ebenfalls ein vegetabilischer Stoff ist, eine Mastixart1), die viel höher bewertet wurde, dann werden wir dieser Fassung des Sprichwortes einen höheren Rang einräumen. Sie beruht auf einem Wortspiel, das :unübersetzbar bleibt. Sie gleicht dann einem jener reizenden Doppelbilder, die, von der Ferne betrachtet, die Umrisse irgend eines Gegenstandes zeigen; wrenn wir sie jedoch näher ins Auge fassen, bemerken wir, dass diese Umrisse aus feinen Blumen, netten Figürchen und dgl. zusammengesetzt sind. Die Unterlage des obigen Sprichwortes bildet der alltägliche Vorgang, dass man die מילא auf dem Markte um einen סלע kauft, die משתדקא hingegen das Doppelte kostet. Auf dieser Grundlage baut sich die ethische Sentenz auf, die durch den Doppelsinn der Worte entsteht: Schweigen ist wertvoller als Reden. Aehnliche Feinheiten des Sprachgebrauches liegen auch sicherlich vielen Ausdrücken und Redewendungen in den כתבי הקדש zu Grunde, und gar manche unlösliche Schwierigkeit würde schwinden, wenn das Geheimnis derselben uns bekannt wäre. So bemerkt Luzzatto sehr treffend zu Jes. 80, 83: כי ערוך מאתמל תפתה גם היא למלך הוכן, wo das נם nicht recht verständlich ist, dass liier dem prophetischen Redner ein Wortspiel vorschwebte. Denn תפת hiess die Gräuelstätte, die dem Moloch geweiht war, und hierauf anspielend sagt der Prophet, ein תפתה ist hergerichtet schon längst, auch dieselbe ist für den מלך, anklingend an בל!י, bereitet. Als Beispiel mag auch der zweite Halbvers in Jes. 19, 10: כל עשי שכר אגמי נפש dienen. Nach Raschi sind אנמי נפש stehende (ruhende) Sümpfe oder Teiche. Michlol erklärt es mit ״Fischteiche* oder, unter Vertauschung des א mit ע, 0 Der beste Beweis dafür ist der Ausdruck: סם» דבולא סשהוקא, woraus zu entnehmen ist, dass משתוקא ein qs, ein Heilmittel war.