Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 432)
- Language
- German
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404 Fahren wir nach dieser Einschaltung in der Lektüre des Josephus fort, so verstehen wir es nur gar zu gut, warum das Volk, als der Mörder seiner grossen Lehrer und Führer es am Hüttenfeste — dem Feste, wo nach Halevys Nachweis die Hasmonäerkönige sich im Tempel dem Volke zu zeigen pflegten — wagte, als Priester zum Altäre hinzutreten, im Schmerz und Zorn seiner selbst nicht mehr mächtig, die Citroncn (Esrogim) in seinen Händen gegen den Tyrannen schleuderte. Selbst wenn wir in Jannai nicht den Priester der Mischna Sukka 4, 9 sehen wollen, der durch das zu Boden Giessen der Wasserspende einen ähnliehen Zornesausbruch des Volkes hervorrief und nicht annehmen, dass Jannai damals seine Frevel durch Verhöhnung heiligster Überlieferungen noch mehrte, so kann uns die Wut des Volkes, als es den Mörder am Altäre erblickte, nicht überraschen. ״ Auch schmähten sie ihn, er sei der Sohn einer Gefangenen und des Hohepriestertums wie der Ehre Opfer darzubringen nicht wert״. Es ist natürlich, dass sich der Unwille des Volkes dabei auch in Worten Luft machte, und dass diese Worte die Anklage gegen Jannai wiederholten, die dieser mit seiner Freveltat beantwortet hatte. Wenn das Gerede von der Unwürdigkeit Jannais für den Priesterdienst auch de iure widerlegt war, Jannai selbst hatte durch sein unpriesterliches Tun denen Recht gegeben, welche die Reinheit seines Adels in Zweifel zogen und das Volk in seinem Widerwillen, diesen Mann als Priester, geschweige denn als Hohepriester, zu sehen, schmähte ihn, gleichgiltig ob mit Recht oder Unrecht, als Sohn einer Gefangenen. Es ist uns jetzt auch eine der Varianten zwischen der Baraita in Kidduschin und Josephus bezüglich der Folgen des Zerwürfnisses verständlich. Josephus erzählt nichts von der Ermordung der Weisen, betont dagegen umsomehr den Abfall Hyrkans zu den Pharisäern. Das war selbst für Josephus und seine nächste Quelle zu stark, eine Ermordung der Weisen durch Hyrkan zu erfinden; eine Untat von solcher Tragweite stand mit der historischen Tatsache in zu grellem Widerspruch; dazu wäre durch ein solches Verbrechen dem Hohepriester Jochanan, der nach langem untadligen Leben im Alter Sadduzäer wurde, jeder