Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 413)
- Language
- German
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38S stelle, wo der Grund aber in der Sache selbst liegt, überall, wo im Talmud der Hohepriester Jochanan יוחנן ב ג genannt wird, dieselbe Persönlichkeit gemeint ist, und zwar der Zeitgenosse der unmittelbaren Schüler des Antigonus von Socho. Josephus bezeichnet Johann Hyrkan zwar nicht als den Hohepriester Jochanan der die schon öfters berührten religiösen Einrichtungen erliess, dessenungeachtet wird man bei seiner Darstellung der Regierung dieses Fürsten einen Widerspruch finden, der kaum lösbar erscheint. Auf der einen Seite erscheint Hyrkan als ein Mann hoher religiöser Gesinnung, auf der anderen Seite erzählt sein Biograph Taten von ihm, die nicht nur den Kenner jüdischen Gesetzes und jüdischen Gebrauchs fremd anmuten, sondern überall als mit milder Gesinnung und Pietät unverereinbar gehalten werden müssen. Im Hinblick auf die historische Entwicklung wird von den Geschichtsschreibern die zwangsweise Bekehrung der Bewohner von Idumäa zum Judentum als ein verhängnisvoller Fehler hingestellt; es ist aber mehr, als ein Fehler, vom Standpunkt des Judentums aus ist es eine schwere Verfehlung. Es ist Vorschrift, den Nichtjuden, der sich freiwillig dem Judentum anschliessen will, auf die zahlreichen Pflichten, die das jüdische Gesetz seinen Bekennern auferlegt, hinzuweisen, und ihm abzuraten, durch Annahme des Judentums sich die Lebensführung zu erschweren, geschweige denn, dass es nicht statthaft ist, irgend jemanden zu zwingen, Jude zu werden. Wir sind erstaunt, dass Hyrkan, als erster unter den Juden, unterworfenen Völker die Beschneidung und die Erfüllung des sonstigen Gesetzes aufzwingt. Was der Fremde als eine Propaganda für die Religion anzusehen geneigt ist, muss der Jude als eine Missachtung heiliger Vorschriften erkennen. Halevy im Dorot Harischonim Ic hat sehr glücklich die Beweggründe klargelegt, die Hyrkan und seinen ausgesprochen hellenistisch gesinnten Sohn Aristobul dazu führten, fremde Völker gewaltsam zu bekehren. Es sei dies nichts anderes, als eine Nachahmung der Politik der Nachfolger Alexanders des Grossen und besonders der Syrer, deren Regierungsgrundsatz es war, griechisches Wesen und griechischen Kult allenthalben in den unterjochten Ländern zu verbreiten. Die Juden selbst hatten eben erst die ungeheure 25 Jahrbuch J. L. 0, VI.