Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 412

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 412)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3486266-3486277--2461-3489267
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

harte und rauhe Kriegsmann, als der er sonst erscheint, hier gleich den Gelehrten in edler Sorge um die Erhaltung des Gesetzes Einrichtungen trifft, die keinerlei Bezug auf Politik und Kriegswesen haben können. Schürer kann auch einen leisen Spott über Josephus nicht unterdrücken, der Hyrkans Regierung eine besonders glückliche nennt, nachdem er soeben erzählt hat, wie dieser glückliehe Regent eine Erhebung des eigenen Volkes hatte niederwerfen müssen. Die Ansicht, dass man möglichst alle Stellen, in denen der Hohepriester Jochanan, יוחנן כ״ג, in gleicher Weise genannt wird, auf eine und dieselbe Persönlichkeit zu beziehen hat, ist an und für sich richtig. Da man nun, Josephus folgend, in Johann Hyrkan den spät und überraschend zum Sadduzäer gewordenen Hohepriester Jochanan (Berachoth 29 a) sowie denjenigen Hohe־ priester wiedererkennen musste, dem nach Tosefta, Babli und Jeruschalmi Sota, die überirdische Mitteilung vom Sieg der jungen Leute über Antiochus wurde, so war es naturgemäss, dass man auch in dem Hohepriester Jochanan der Tekanot Johann Hyrkan sah. Dass unsere grossen Talmuderklärer und die jüdischen Geschichtsschreiber des Mittelalters nicht in diesen Irrtum verfielen, obgleich sie Josippon bezüglich des Berachot 29'a und Sota 33 a genannten Hohepriesters Jochanan auf Johann Hyrkan verwies, ist mir ein bemerkenswertes Zeichen für die sicheren Überlieferungen, die unsere grossen Lehrer hinsichtlich der Erklärung der halachischen Stellen des Talmuds hatten. Die Erklärung von Agada-Stellen, besonders solcher, wie die angeführten, die nur zur Erhärtung und Erläuterung eines Lehrsatzes herangezogen, gewissermassen nur nebenbei angeführt wurden, konnte unklar bleiben; Mischnajot dagegen mit halachischen Inhalt verstand man in allen Teilen. Die Überlieferung, dass der Hohepriester Jochanan kurz nach Simon dem Gerechten, lebte und dass er ein Genosse des ersten Präsidialpaares war, stand so fest, dass man dazu kam, unter demselben Namen und Titel יוחנן כהן גדול, der Hohepriester Jochanan, zwei Persönlichkeiten zu verstehen, die um ungefähr hundert Jahre von einander entfernt waren. Ich halte daran fest, dass der Hohepriester Jochanan der Tekanot kurz nach Simon I., dem Gerechten, lebte, aber auch daran, dass mit Ausnahme einer einzigen Talmud־

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.