Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 406)
- Language
- German
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8ז3 der Vorwurf, dass er die Regierungsgewalt des Hohepriesters io die Hände seines Neffen, des Steuerpächters Joseph, gelangen liess, wodurch dieser Hellenist und Freund der Samaritaner gemeinsam mit seinen Kreaturen das Land beherrschte. Selbst wenn wir das auffallende Benehmen des Onias mit zwingenden politischen Verhältnissen erklären und ihn so zu entschuldigen suchen, so sehen wir gleich nach dem Tode Onias’ dessen Sohn Simon als Parteigänger der Söhne Josephs, der ausgesprochenen Feinde des jüdischen Gesetzes. Liegt es da so fern, dass der hundertjährige Onias durch den Einfluss seines Sohnes, wenn auch nicht geradezu Hellenist, so doch Sadduzäer geworden ist, oder wenigstens in einzelnen Fällen wie ein Sadduzäer gehandelt hat? Wir bemerken hier gleich, dass der Anschluss des hochbetagten Jochanan oder Onias II. an die Sadduzäer nach dem ganzen Tenor der Gemara Berachot 29 a uns in keiner Weise beeinflussen darf, ihm während seines früheren Lebens die edelsten Eigenschaften und die herrlichsten Leistungen abzusprechen. Grosse Talmuderklärer und jüdische Geschichtsschreiber des Mittelalters, die den in hohem Alter Sadduzäer gewordenen Hohepriester Jochanan wohl nicht mit demjenigen identifizieren, dem wir die Tekanot der Mischnajot von Maaser Scheni und Sota verdanken, nehmen aber keinen Anstand, ihn in seinen früheren Tagen einer überirdischen Verkündigung für würdig zu halten, wie sie nach Tosefta, Babli und Jeruschalmi Sota einem Hohepriester Jochanan zu teil wurde1). III. Unsere grossen Lehrer des Mittelalters sind einstimmig darin, dass der Hohepriester Jochanan der Tekanot nicht lange l) Dass der Name Onias mit Jochanan zu identifizieren ist, braucht wohl nicht lange erörtert zu werden. Es genügt der Hinweis, dass der hebräische Text des Sirach Cap. 50 bei dem Preislied auf Simon I., den Gerechten, für Simon, Sohn des Onias, im Griechischen, Simon, Sohn des Jochanan, hat. Auch der koptische Text hat Jechonias (vgl. Peters z. Stelle). Es ist möglich, dass man vor den Hellenisierungsversuchen des Kreises der Tobiaden und des Antiochus Epiphanes im Verkehr mit Griechen die jüdischen Namen dem griechischen Idiom anpasste, nach dem Siege der Hasmonäer aber absichtlich stets den jüdischen Namen gebrauchte. Daher verschwindet in der hohepriesterlichen Familie der Name Onias und es bleibt Jochanan allein«