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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 404

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 404)
Language
German
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376 II. Wie wir sehen, ist das einzige Datum, das der Talmud für den Hohepriester Jochanan angibt, der wiederholte Bericht, er sei achtzig Jahre Hohepriester gewesen. Meines Erachtens ist es solange unmöglich, eine wissenschaftlich befriedigende Lösung der Frage nach dem Hohepriester Jochanan zu finden, bis man einen Jochanan in der Geschichte gefunden hat, der achtzig Jahre hindurch mit der Würde des Hohepriesters bekleidet war, oder — denen entgegenkommend, welchen es allzumerkwürdig erscheint, dass ein Mann achtzig Jahre lang Hohepriester gewesen sein soll, und die meinen, der Talmud habe mit den achtzig Jahren nur das hohe Alter bezeichnen wollen, in welchem Jochanan Sadduzäer geworden, — erachte ich die endgiltige Lösung der Frage minde־ stens solange unmöglich, bis man einen Hohepriester Jochanan gefunden hat, der das achtzigste Lebensjahr erreichte. Sollte sich kein Hohepriester Jochanan finden, der sich eines so hohen Alters erfreuen durfte, so wird man bei allen versuchten Feststellungen über Vermutungen nicht hinauskommen. Glücklicherweise hat uns Josephus die Erinnerung an einen Hohepriester Jochanan erhalten, der ungefähr hundert Jahr alt wurde, und der wohl derjenige war, der achtzig Jahre hindurch sich Hohepriester nennen durfte1). Die Schriften des Josephus liegen jedem ״ offen und sind viel behandelt und gelesen worden, doch erst Isaak Halevy war es beschieden, uns den Schlüssel zur Lösung dieser schwierigen Frage in die Hand zu geben. Halevy hat in seinem Dorot Harischonim nur nebenbei, gelegentlich seiner Forschunge n über Simon den Gerechten, dessen Sohn Onias II. zu erwähnen gehabt, er kam deshalb noch nicht dazu, alle Resultate aus einer von ihm gewisserraassen neu aufgefundenen und bisher schon von ihm glänzend verwerteten Josephusstelle zu ziehen. Der hoch* verehrte Meister wird es einem Schüler nicht verübeln, wenn dieser, seinen Faden weiter spinnend, seine Methode in der Jo* sephuskritik nachahmend und seine sonstigen Feststellungen vielfach verwendend, in einigen Punkten seinen bis jetzt niedergelegten Ansichten widerspricht. l) Unter den sonstigen Onias oder Jochanan, die Josephus als Hohe״ priester nennt, findet sich keiner, der auch nur vierzig Jahre Hohepriester gewesen sein kann.

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