Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 383)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486277--2432-3489238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
855 in Bezug auf die Geonimperiode enthalten, so soll doch folgendes nicht unerwähnt bleiben. Es zeigt uns, dass die Kenntnis dieser Correspondenz in hervorragendem Masse geeignet ist, die hohe Bedeutung der Geonim darzutun und sie auch vor den Verunglimpfungen voreingenommener Kritiker in Schutz zu nehmen. Harkavy in seinem (מבוא לתשובות הגאונים (זכרון לראשונים tritt den neueren Historiographen und Kritikern der Geonim, besonders J. H. Weiss, energisch entgegen. Er wirft ihnen vor, dass sie mit Absicht und wider besseres Wissen die Geschichte der Geonim zu verdunkeln und diese in möglichst ungünstigem Lichte darzustellen versucht haben. So schmieden diese Kritiker die giftigsten Waffen gegen die Geonim im allgemeinen und gegen R. Scherira im besonderen aus einem Responsum, das fälschlich dem letzteren Gaon, der doch eine der hervorragendsten und lichtesten Gestalten unter den Geonim gewesen, zugeschrieben wird1). Es handelt sich um ein ah der Spitze der ״שערי צדקמ betitelten Responsensammlung der Geonim stehendes Responsum, das übrigens auch in den Sammlungen חמדה עוזה und שערי תשובה enthalten ist. Es enthält die Antwort auf die Anfrage, was man von der Meinung derer zu halten habe, die die Entscheidungen der Geonim bestreiten und sie als nicht verpflichtend bezeichnen. In der Antwort wird nun die hohe Bedeutung der Geonim hervorgehoben und sodann betont, dass der Ausspruch des unbedeutendsten Schülers der Geonim dieselbe Bedeutung habe wie die göttlichen Befehle. Dieses Responsum ward nun lang dem Gaon R. Scherira, unter dessen Namen es auch in der Sammlung figuriert, zugeschrieben. Selbst R. S. L. Rappoport (in seiner Biographie des ר נתן בעל הערוך) ist dieser Ansicht und meint nur, dass R. Scherira in dem Bestreben, die babylonischen Schulen im besten Lichte darzustellen, zu diesen Übertreibungen gelangt sei. Er wollte hierdurch — so meint Rappoport — den Gaonen dieselbe Beden- ג) Warum man in jenen Kreisen diese תשובה gerade R. Scherira, dem Verfasser des ״Iggereth“, aufzudisputieren sucht, Hegt auf der Hand. Man will aus diesem Resppnsum auf die historische Unzuverlässigkeit des Sehenraschen Sendschreibens schliessen, das doch als erstklassige Quelle für das hohe Alter der Tradition und für deren göttlichen Ursprung den Kritik kern ziemlich unbequem ist.