Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 382)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486277--2431-3489237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
354 die historische Genauigkeit in zweiter Reihe in Betracht kommt 1). Gar nicht, oder nur sehr wenig kann für die gaonäische Zeit das Fragment סדר עולם זוטא als historische Quelle benutzt werden. Seine Angaben sind so spärlich und unvollständig, dass sie keinen Anhaltspunkt für die Geschichte jener Zeit bieten. Es ist dies umso bedauerlicher, da aus des Verfassers kurzem, aber doch ziemlich gutem Bericht über die Exilarchen dieser Zeit bervorgeht, dass er über die Periode im allgemeinen gut unterrichtet gewesen ist. Als weitere, sehr ausgiebige und bedeutsame Quelle für die Geschichte der Geonim kommt die in verschiedenen Sammlungen niedergelegte Responsenliteratur der Geonim in Betracht. Sie enthalten so manchen Hinweis und so manches Zeugnis über die Geschichte der Geonim sowohl, wie auch über die kulturellen Zustände während dieser Epoche. Weniger geben sie Aufschluss über die politischen Verhältnisse, über das Verhältnis der baby- Ionisch-jüdischen Colonie zu den Landesbehörden, wie über das Verhältnis der beiden Centralinstitutionen, Exilarchat und Gaonat, zueinander. Wohl aber sind sie von Bedeutung in denjenigen Teilen, wo sie uns einen Einblick in die Auffassung, wie man sie auch in jener Zeit über die mündliche Lehre hatte, gewähren. Wir erfahren aus ihnen, dass die in Mischna und Talmud niedergelegten Principien und Lehren auch ihnen nichts weniger gewesen sind, als die vom Sinai her neben der schriftlichen Lehre einhergehende, diese erklärende תורה שבע״ם מפי הגבורה. Das gehörige Erfassen und die Ausnutzung des in diesen Responsensammlungen, wie auch in dem Sendschreiben des R. Scherira niedergelegten historischen Materials haben es denn auch Halevy möglich gemacht, die Epoche der Geonim und deren Wirksamkeit ins richtige Licht zu rücken und durch sie die mündliche Lehre מיום נתינתה מסיד bis auf unsere Tage als eine einzige, ununterbrochene Kette deutlich darzustellen. Ist es auch nicht möglich, im Rahmen dieser kurzen Skizze auf die einzelnen Zeugnisse einzugehen, welche die תשובות הגאונים ף Halevy beweist aus dem Texte des Berichtes, dass wir es bei der uns vorliegenden Relation nicht mit dem Originalberichte des Nathan Hababli, sondern mit einem späteren Auszuge aus diesem Berichte zu tun haben.