Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 374)
- Language
- German
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346 Volksgeschichte an sich, sondern vorwiegend die jüdische Wissenschaft betreffende Notizen. Unter diesen kurzen Berichten nimmt die erste Stelle das Sendschreiben Scheriras ein. Seine kurze Darstellung der Geschichte der Tradition, die ihr Entstehen auch nur einem Zufalle verdankt, besitzt vor den Anderen den grossen Vorzug, dass sie den Anspruch auf vollkommene Authentizität erheben kann, da der Verfasser, R. Scherira, selbst einen Ring an der langen Kette von Gelehrten gebildet hat, die als Geonim den babylonisehen Schulen vorgestanden und im Mittelpunkt des damaligen jüdischen Geistes-Lebens gestanden haben. Neben der Tradition des Gesetzes, dessen Pflege die Hauptaufgabe der Schulen gewesen ist, hat es jedenfalls auch eine Tradition der Schulen selber, eine Geschichte des Gaonats und seiner Träger, gegeben, die den späteren Leitern und Rektoren der Schulen keine ״terra incognita“ bleiben konnte. Diese Umstände lassen uns die historischen Angaben Scheriras im ״Iggereth“ im wahrheitsgetreuen Lichte erscheinen, deren Verlässlichkeit in dem Masse zunimmt, als sie sich dem Darsteller selbst zeitlich nähern. So sind es gerade die Angaben über die Geonimzeit, über das Verhältnis der beiden Schulen zueinander, wie auch die chronologischen Daten, die uns im ״Iggereth“ in ihrer besonderen Bedeutung für diese Zeitperiode entgegentreten. Demgegenüber ist es zu bedauern und wohl auf die Entstehungsursache des Sendschreibens zurückzuführen, dass der Verfasser nicht auch der eigentlichen Geschichte der babylonischen Juden seine Aufmerksamkeit zugewendet hat. Veranlasst zur Abfassung des ״Iggereth“ ward R. Scherira durch ein von aussen kommendes Moment, und zwar durch eine Anfrage, die an ihn erging. Die Gemeinde Kairuan in Nordafrika wandte sich an ihn als den Vorsteher und Leiter der Schule von Pumbeditha mit dem Ersuchen, ihr eine Geschichte der Tradition von ihrer ersten zusammenfassenden Niederschreibung, also von der Abfassung der Mischnah, zu geben und sie auch über Art und Wesen dieser Abfassung zu belehren. Diesem Ansuchen verdankt das Sendschreiben Scheriras seine Entstehung und verdanken wir die einzigen, wenn auch sehr kurzen, aber doch zusammenfassenden und verlässlichen Angaben über die Geonimzeit. Die ganze Entstehungsgeschichte der Mischnah und des Talmuds, wie