Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 372)
- Language
- German
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Quellen zur Geschichte der Geonim. Von Dr PH. Frankl in Halberstadt. Es ist kein Zufall, dass die liistorisclien Werke des Josephus Flavius die letzten Aufzeichnungen sind, die uns die Geschichte unseres Volkes aus eigener Anschauung überliefern und Josephus der letzte Historiker, der eine zeitgenössische jüdische Geschichte geschrieben hat. Es liegt dies vielmehr in der Natur der Sache, in der Geschichte des jüdischen Volkes überhaupt. Die Geschichtsschreibung eines Volkes hängt in allererster Eeihe von der Existenz desselben als eines geschlossenen Ganzen, als territorial zusammenhängenden und vereinigten Volkskörpers ab; eine Bedingung, die bei dem jüdischen Volk nur zu bald in Wegfall kommen sollte. Mit dem Zusammenbruch des jüdischen Gemeinwesens nämlich und mit der Zerstreuung der Juden in alle Enden der Welt ist dem Judentum der Charakter eines geschlosscnen Volkstumes und damit auch die Möglichkeit verloren gegangen, seine Schicksale und seine Geschichte unter einem einheitlichen Gesichtspunkte zusammenzufassen. Denn so verschieden wie die Zahl der Länder, in welche sie nun kamen, war die Aufnahme, die sie in diesen Ländern gefunden hal en, und so verschieden mussten sich auch ihre Verhältnisse daselbst gestalten. Wenn sich auch in jedem Lande, wohin Teile des jüdischen Volkes gekommen waren, bald jüdische Gemeinwesen gebildet haben, wodurch die Judenheit auch fernerhin ein organisch ־ einheitlich Ganzes bildete, so traten doch jetzt verschiedene, die Geschichte der Juden gestaltende und beeinflussende Faktoren hinzu, die ihr das Gepräge einer eigentlichen Geschichte der Juden genommen haben. Die Zerstreuung musste zur Folge haben, dass sich das Schicksal der Juden in den verschiedenen Ländern in gewissem