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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 330

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 330)
Language
German
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302 Für uns geht aus der Thorapflege in Babylonien in vortalmudischer Zeit eine Folgerung von ganz hervorragender Bedeutung hervor. Wir erkennen daraus die zu keiner Zeit unterbrochene Babylonier auf ihre Familienreinheit, dass sie oft keine Ehen mit Palästinensern eingehen wollten, obwohl auch jene auf Familienreinheit streng achteten, s- Baba Mezia 104• Zu dem Zwecke waren die Grenzen Babyloniens genau -bestimmt, weil man wusste, dass man inneihalb dieser Grenzen sich sicher auf Familienreinheit verlassen konnte. Zu der Innehaltung der Gesetze der טד.רוז ,יוחסין gehörte aber nicht nur ein Leben in Frömmigkeit, sondern auch eine genaue Kenntnis all der vielen Bestimmungen, die damit in Zusammenhang stehen bezüglich קדושין גטין יבמות בחובות עריות. Daher kam es auch, dass das Judentum und die Juden in Babylonien von den Juden Palästinas hoch geachtet wurden. Als bereits der Tempel wieder errichtet war, das Judentum sich in Palästina ausdehnte und Esra in Palästina erschien, um für sein Volk und seine Religion tätig zu sein, nannte sich das dort wohnende Israel noch קהל הטלה, es betrachtete sich noch als Anhängsel der eigentlichen Judenheit, die in ihrer vollen Kraft in Babylonien blühte. Und so sehen wir, dass man während der ganzen Zeit des zweiten Tempels in Palästina an erster Stelle auf die Juden Babyloniens Rücksicht nahm. Als Alexander der Grosse den Juden Jerusalems eine Bitte freistellte, baten sie daher, den Juden Babyloniens Freiheit in ihrer Religionsübimg zu gewähren. Wenn man ein Schaltjahr bestimmte, nahm man Rücksicht auf die גליות ישראל, die Israeliten Babyloniens (Sanh. 11.) Wenn der Neumond festgesetzt wurde, tat man es den Juden Babyloniens durch Feuer- Zeichen kund (Rosch Haschana) 22. Diese Art der Neumondsmeldung war sehr alt, zur Zeit Rabbis war sie bereits lange durch Botensendung ersetzt. Auch in Rom, Egypten und anderen Ländern wohnten zahlreiche Juden, aber hur auf die Juden Babyloniens wurde die Rücksicht genommen, denn in ihnen, ihrem Thoraleben und Thoralernen sah man die Seele des Judentums. Wie ^ehr sie dort auf die Gebote der Thora und auch auf die Anordnungen der Gelehrten achteten, geht auch daraus hervor, dass Seleukus, einer der Feldherrn Alexanders des Grossen, den in Kleinasien dienenden Soldaten gestattete, sich des Genusses des Öles zu enthalten und er ihnen dafür Geld anweisen Hess. Dass man in Babylonien an die Entrichtung des halben .Schekels für den Tempel dachte, ist selbstverständlich. Bemerkenswert aber ist die Art und Weise, wie das gesammelte Geld nach Jerusalem geschafft wurde, in Nehardea, einer Stadt Babyloniens, die fast ganz von Juden bewohnt war, und die unter eigener jüdischer Verwaltung stand, wurde das Geld gesammelt, das alljährlich zu einer so grossen Summe zusammenwuchs, dass man es unter Bedeckung Tausender nach Jerusalem sandte. Wir sehen daraus, wie zahlreich die jüdische Einwohnerschaft Babyloniens gewesen sein .muss und weiches Ansehens sie sich im Land und aussen Landes erfreute. Ja die königliche, davidische Familie wänderte nicht nach Palästina aus, solidem blieb zum grössten Teil in Babylonien und, wenn wir auf der einen

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