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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 331

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 331)
Language
German
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303 Continuität unserer Tradition. Aus der Wüste nahm sie Israel mit nach Kanaan, wo Josua über ihre Heilighaltung wachte. Nach seinem Tode lebte Israel in seinem Lande, und seine Führer, die זקנים und nachher die Propheten, hüteten die Thora und ermahnten das Volk, im Gottesgesetz zu leben. Und als der Tempel zerstört wurde und Israel nach Babylonien zog, war dort naturgemäss die Stätte, in der die alte Ueberlieferung geheiligt wurde. Man lebte und lehrte dort wie früher in Palästina und verpflanzte von dort unter Esra und später die Thora wieder zurück nach Palästina. Mischna und Gemara, die später schriftlich fixiert wurden, stellten keine neuen Gesetze oder eine Weiterentwicklung der Religion dar, sondern sie enthalten ausser der Fixierung der alten, nur mündlich tradierten Gesetze und ihrer Erklärung die Verhandlungen über neu sich ergebende Lebensfragen theoretischen oder praktischen Inhalts auf Grund der überkommen Ueberlieferungen. Babylonien, das die Blüte des Judentums barg, nahm hervorragenden Anteil an dieser Geistesarbeit unserer Vergangenheit. Seihst nachdem Palästina längst verfallen war, blieb bis zum Ende des ersten Jahrtausends Babylonien wie früher die Stätte der Thora• dort lebten die berühmten Talmudlehrer, dort die Saburäer und Geonim. Wie einst ihre Vorfahren in vortalmudischer Zeit erhiel; ten sie die Tradition in einem Lande, in welchem allein die Juden uneingeschränkt lebten. Als aber auch dort die politischen Verhältnisse eine dauernd trübe Gestaltung für unsere Vorfahren annahmen, da schuf der Hüter Israels und seiner Lehre andere Stätten, die das kostbare Gut Israels hüteten und wahrten, es waren der Reihe nach Spanien, Frankreich, Deutschland, Russland. Mögen wir uns als würdige Nachkommen unserer Vorfahren beweisen und stets bereit sein, unsere alte, aber ewig junge Lehre zu hüten, nach ihr zu leben und in Liebe unsere jüdischen Ideale zu pflegen. Seite Nathan, den Sohn des Resch Galuta, auf der anderen Hille! den Babylonier und zugleich R.Chija, der ebenfalls aus königlichem Geschlecht war, betrachten, Glieder der davidischen Familie, die dadurch, dass sie nach Palästina kamen und in die Verhandlungen der Hochschule eingriffen, uns bekannt wurden« so können wir daraus entnehmen, wie eifrig das Thoralernen in Babylonien gepflegt und mit welcher Innigkeit man dort auch nach den Vorschriften der Thora lebte. Nicht das durch Kriege und Parteiungen zerrissene Palästina, sondern das freie Babylonien barg den Kern der Juden und des Judentums.

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