Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 326)
- Language
- German
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298 Jetzt erschienen beide vorArtaban II., der König bereitete beiden einen zuvorkommenden, ehrenvollen Empfang und hatte bald Gelegenheit, die Geistesgrösse des Asinäus zu bewundern; er wollte die beiden Brüder und ihr jüdisches Heer dazu benutzen, die unruhigen Satrapen in Schach zu halten, er schloss daher mit ihnen ein Friedensbündnis undentliess sie nach Josephus mit den Worten: ״Ich vertraue dir, Asinäus, das babylonische Gebiet an, damit deine Obhut es vor Plünderung und Unglück bewahre. Ich rechne darauf, in dir einen Freund zu haben, da ich dir mein Wort unverbrüchlich gehalten habe, da wo es sich um dein Leben handelte“. Und Asinäus führte treu und klug seinen Auftrag aus. ״Er legte neue Festungen an, versah die alten mit neuen Schutzwehren und sah sich bald im Besitz einer Macht, wie kein anderer sie vor ihm erlangt, der aus so unbedeutendem Ursprung sich emporgearbeitet hatte. Auch die parthischen Anführer, die dorthin gesandt wurden, ehrten und achteten ihn. Er hatte alle Macht in Händen und bald richtete sich in Mesopotamien alles nur nach seinem Willen, 15 Jahre hindurch stieg sein Glück von Tag zu Tag. — Durch das Glück wuchs aber auch der Hoch־ mut namentlich des jüngeren Bruders, und sie erlaubten sich, von den Gesetzen der Väter abzuweichen. Damals erschien dort ein zum Statthalter ernannter parthischer Fürst mit seiner Gemahlin, die durch ihre hervorragende Schönheit auffiel. Sofort fasste Aniläus Liebe zu ihr und scheute, um sie zu erringen, nicht vor einem Verbrechen zurück. Der Fürst wurde für einen Feind erklärt und im Kampfe getötet; seine Frau geriet in Gefangenschaft und wurde nachher die Gattin des Aniläus. Als sich die Kunde hiervon verbreitete, ergriff Unwille die jüdischen Krieger. Die angesehensten und vertrautesten machten anfangs in Güte dem Aniläus Vorwürfe, dass er eine Frau geheiratet habe, welche die jüdischen Gesetze umgehe; sie erreichten jedoch nichts. Als aber gar einer, der besonders viel galt, freimütigere Worte gegen Aniläus brauchte, hieb dieser ihn in seinem Zorne nieder. Die Soldaten murrten, schwiegen aber noch immer; als sich jedoch die Kunde verbreitete, jene Frau verehre jetzt öffentlich die Götzen, die sie bisher versteckt hatte, da kannte der Unwille des Volkes keine Grenzen mehr. Sie glaubten, diesen Frevel gegen das Gesetz nicht länger ertragen zu dürfen, liefen in Masse