Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 324)
- Language
- German
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296 die' Gesetze erst später in Palästina geschaffen wurden, -sondern dass sie in ununterbrochener Tradition von Moseheh an im jüdischen Staate in Palästina und nach seiner Zerstörung in Babylonien, der Stätte, in welche die Juden verpflanzt wurden, geheiligt und gewahrt wurden, so lehrt uns . auch folgendes Ereignis aus der ältesten Vergangenheit der Juden Babyloniens, wie genau sie dort nach den Vorschriften der Thora lebten. Das Ereignis ist merkwürdig in seiner Art, es erzählt uns nach einem Berichte des Josephus in seinen Altertümern XVIII, 91, von einer jüdischen Staatenbildung in Babylonien etwa folgendes1): ״Um diese Zeit (des Kaisers Gajus) traf die Juden in Meso־ potamien und besonders die um Babylon wohnenden ein Unglück, das sich mit keinem vergleichen lässt, und es ward ein Blutbad unter ihnen angerichtet, wie noch keines in den Jahrbüchern der Geschichte zu finden ist. Um diese Begebenheit genauer darzustellen, muss ich auf die Ursachen zurückgehen, wodurch sie hervorgerufen ward. In Babylonien liegt eine Stadt Naarda (Nehardea), die sehr besucht ist, ein fruchtbares, ausgedehntes Gebiet besitzt und neben anderen Vorzügen Ueberfluss an Bewohnern hat; dazu kommt, dass eine Belagerung derselben gar nicht möglich ist, weil sie rings vom Euphrat umgeben und von festen Mauern geschirmt ist. Ebenso von diesem Strome umgeben liegt auch die Stadt Nisibis. Die Juden, die sich auf die sichere Lage dieser Orte verliessen, brachten daher hierher die Doppeldrachme (halbe Schekel), die nach jüdischem Brauche jeder einzelne seinem Gotte opfern musste, nebst allen anderen Tempelgeldern und betrachteten diese Städte als ihre Schatzkammern. Von hier aus wurde das Geld zu bestimmten Terminen nach Jerusalem abgeliefert und viele Tausend Menschen begleiteten jedes Mal den Zug aus Besorgnis wegen der Räubereien der Parther, denen Babylonien zinspflichtig war. Nun stammten aus Nehardea zwei Brüder Asinäus und Aniläus. Diese waren von ihrer Mutter, weil ihr Vater gestorben war, angehalten worden, die Leihen Weberei zu erlernen, indem dies bei jenen Völkern nicht für unpassend gilt und selbst Männer dort Wolle spinnen. Nun machte ihnen der Meister, bei dem sie das Handwerk lernten, einmal Vorwürfe, י) Wir folgen hierbei der Uebersetzung Kaulens.