Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 322)
- Language
- German
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294 rück. Nicht dass den Einwohnern der Wille fehlte, nach Gottes Gesetzen zu leben, aber infolge der Schwierigkeiten, welche die Bildung des neuen Staatswesens den Israeliten verursachte, der langwierigen Kämpfe, die sie mit den sie umgebenden feindseligen Einwohnern zu bestehen hatten, und der Hemmnisse, die sie bei Schaffung neuer Lebensberufe und Erwerbszweige zu überwinden hatten, konnten sie ihren Geist nicht mit der Thora befruchten, konnten sie nicht lernen und studieren, um sich jene Kenntnis der Thora zu verschaffen, ohne welche ein Judentum und wirklich jüdisches Leben nicht denkbar ist. Es fehlten ihnen Lehrer, es fehlte ihnen Wissen, und dementsprechend bot das jüdische Leben in Palästina damals einen traurigen Anblick. Da kam Babylonien zu Hilfe. Esra, der Babylonier, der Schriftgelehrte (סופר); ein- Mann von seltener Klugheit und Energie und doch von so herzgewinnendem Wohlwollen, erhielt vom Könige Babyloniens, dem ja auch Palästina gehörte, das Privileg, nach Palästina zu ziehen und dort für seine Religion nach freiem Ermessen tätig zu sein. Nicht allein, sondern begleitet von Thoragelehrten, erschien er in Palästina und pflanzte die Thora wieder an der Stätte, von welcher die Juden Babyloniens sie einst mitgenommen hatten, das בות דץ הנדול setzte sich wieder zusammen aus den Fürsten des Geistes, den Thoragelehrten, die zumeist Babylonier waren, und verbreitete Wissen und jüdisches Gesetzesleben nnter dem Volke. Das zweite Mal, wo die Juden Babyloniens ihrem Mutterlande zu Hilfe eilten und die bedrohte Thora retteten, liegt etwa 400 Jahre später. Judäa hatte sich kräftig entwickelt, durch die Makkabäerkämpfe war die Selbständigkeit des Reiches errungen worden und eigene Könige beherrschten das Land. Zugleich aber entstand Zügellosigkeit und Gesetzesübertretung unter einem Teile des Volkes, den wir unter dem Namen Hellenisten und später Sadduzäer kennen. Er verstand es vielfach, sich die Macht in die Hände zu spielen und das fromme Volk durch Gewaltmassregeln zu reizen. Es begannen Bruderkämpfe und innere Wirren, in welche die stets lüsternen Römer eingriffen. Sie zertrümmerten das Synhedriumx); die einheitliche Hochschule, *) Siehe Doroth Harischonim Ic, 53f.