Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 317)
- Language
- German
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289 Zweifel, weil er wusste, dass er das in seinem Geburtslande Babel nicht erreichen konnte“. Das heisst also, dass erst ganz spät, lange nachdem sie sich in Uscha versammelt hatten, als R. Simon b. Gamliel bereits Nassi war, der Resch Galutha seinen Sohn R. Nathan nach Palästina sandte, damit er dort Thora lerne. Das erwähnt er unter einer. Fülle von Worten, die dartnn sollen, dass in Babylon bis zur Zeit Rabs und Samuels alles in grösster Unwissenheit ohne Thora und ohne Gesetz lebte, während im Gegenteil es kein besseres Zeugnis für den seit ältester Zeit hohen Stand der Thora in Babylonien gibt. Wir sehen, schon 2 Zeitalter vor Rab und Samuel kam R. Nathan aus Babylonien und brachte sein Wissen von dort mit, sodass er sofort nach seinem Erscheinen zum Ab Beth-Din in dem grossen Lehrhause Palästinas erwählt wurde. Seine Lehrer, denen er sein ganzes Wissen verdankt, müssen demnach Baby- Ionier gewesen sein. Aber in unserer jüdischen Wissenschaft hat man seit zwei Zeitaltern sich derartige willkürliche Behauptungen erlaubt, unsere Aufgabe ist es jedoch, die Wahrheit herzustellen, wie sie aus gründlicher Forschung sich ergibt. Auch Rapoport hat im Erech Millin (s. v. ״Ab Beth-Din ׳S. 2) ganz vergessen, was er alles gegen R. Scherira vorbrachte; auch er behauptet dort: ״Von diesem R. Nathan, der nach Ende Horioth zum Ab Beth-Din gemacht wurde, heisst es mehrere Male im Talmud: Er ist Richter und er dringt in die Tiefe der Sache ein“ und dies deshalb, weil er der Sohn des Resch Galutha in BabeLwar, der; es in der Hand hatte, Recht za sprechen und es durch seine königlichen Machtbefugnisse zur Ausführung zu bringen; bei ihm erwarb er sich sein Wissen in Rechtssachen. Darum heisst es auch in Horioth, dass Simon b. Gamliel zu R. Nathan sagte : נהי דאהני לך קמרא דאבוך לנדהוי אב״ד שדנך נמי נש״א“. Wie kommt es, dass erdort, wo er gegen R. Scherira polemisiert, sich nicht selbst die Frage vorlegte. Wenn dieser R. Nathan, der nach der eigenen Erklärung Rapoports deshalb ein in die Tiefe eindringender Richter genannt wurde, weil er ein Richteramt in Babylonien bekleidete und dort in Zivilsachen sein Thorawissen sich aneignete; wenn dieser bei seinem Erscheinen in Jahrbuch J. L. G. VI. 10