Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 312

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 312)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3486266-3486277--2361-3489167
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

284 maliger und früherer Zeit und dem in den folgenden Zeiten bis zur Gegenwart. Die Gebote der Thora mit allen sich daran knüpfenden Überlieferungen wurden zu jeder Zeit in Israel gehalten und selbst die rabbinischen Gebote, die wir besitzen, die sogen. תקנות דרבנן, bestanden zum grossen Teil schon in der Zeit des eisten Tempels und fanden mit sehr wenigen Ausnahmen ihren Abschluss schon zur Zeit der Ansche Kenesseth hagdola. Die Leugner der Tradition verweisen gern auf die Juden Babyloniens in vortalmudischer Zeit. Sie, die Nachkommen der palästinischen Juden, hätten keinGesetz und keine Überlieferung gekannt und erst einer späteren Zeit wäre es Vorbehalten gewesen, das Gesetz zu schaffen, es in Thora und Mischna niederzulegen und nach Babylonien zu verpflanzen. Halevy hat in seiner scharfen Beweisführung gründlich mit diesen vagen Hypothesen aufgeräumt, er hat uns gezeigt, dass der Grundstock der Mischna schon zur Zeit der Männer der grossen Versammlung fertig war und dass die Juden Babyloniens in voitalmudischer Zeit nicht nur nicht ohne Thora und Überlieferung lebten, sondern dass gerade sie in hervorragender Weise die Gebote der schriftlichen und der mündlichen Lehre übten und heiligten und das Studium der Gottesgesetze pflegten. Halevy widmet im Teil II seines Werkes den ganzen, 90 Seiten umfassenden Abschnitt ״Babel und das Land Israel“ den diesbezüglichen Untersuchungen. Die Wichtigkeit der Frage, mit der ja in der Ausdehnung unseres Themas ein grosser Teil der Bibelkritik steht und fällt, dürfte es angezeigt erscheinen lassen, ein Kapitel aus den betreffenden Abhandlungen Halevys zu zitieren; wir werden daraus auf den Ernst seiner Forschung, auf seine festgegründete Beweisführung, auf sein Streben, ohne Rücksicht auf Personen der Wahrheit zu dienen, schliessen können. Die bisherigen Wortführer der jüdischen Wissenschaft auf diesem Gebiete, Rapoport und nach ihm Weiss, behaupten, dass vor Rab und Samuel weder Thoraleben noch Thoralernen in Babylonien vorhanden war. Die diesbezügliche der natürlichen Entwicklung entsprechende Tradition Rab Scheriras wird als befangen erklärt und die allerdings mangelhaften zwei Beweise des gelehrten Rabbi Hirsch Chajoth für die Ansicht Scheriras werden abgetan. Nun aber führt Halevy (Abschnitt 3 Seite 167) aus;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.