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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 276

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 276)
Language
German
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2-18 meneutik in Anspruch nehmen, so ergäbe sich die interessante Constellation, dass Wortsinn und natürliche Hermeneutik sich hier als antagonistische Prinzipien, als Vertreter von פשט und דרש, gegenüberstehen. Aber nicht nur dem Wortsinn wird der דרוש hier mehr als der פשט gerecht: er bietet auch Baum für eine feinsinnige Beobachtung im Verszusammenhange, an der jener achtlos vorübergeht. Wenn es im vorhergehenden Verse (V. 27) heisst ויהי עשו איש יודע ציד und nun unser Vers das Wort ציד wieder aufnimmt, so war für den דרש der Weg gegeben, der zu einer gedanklichen Uebereinstimmung an beiden Stellen führen musste. Es ist daher nur konsequent, wenn auch in V. 27 der מדרש dem ציד eine Richtung auf יצחק giebt (״und es war Esau ein Mann, der das Waidwerk kennt“) und den Sinn der Worte s 0 findet, dass Esau seinen Vater durch Vorspiegelung einer sogar übertreibenden Werkheiligkeit in sein Netz zu locken verstand. Aber die auffallende Wiederholung desselben Wortes (ציד) in den zwei aufeinanderfolgenden Versen wäre allein nicht ausreichend, um den דרש zu seiner Erklärung zu veranlassen. Hier tritt noch als anderes, adminiculierendes Moment gerade der Satz hinzu, der irrtümlicherweise allgemein als schärfster Protest gegen die Berechtigung des דרש angesehen wird, der Satz אין מקרא יוצא מידי פשוטו• Man fasst diesen Lehrsatz gewöhnlich so auf, als besagte er, dass der פשט als die apriorische, in der Sache gegebene Erklärung zwar anderen Deutungsformen Existenzberechtigung gewähre, aber nur unter der Bedingung und insoweit, dass darüber seine separate Stellung und unantastbare Richtigkeit nicht alteriert, sondern als souverän anerkannt bleibe. Der Beweis für die Unrichtigkeit dieser Auffassung soll später erbracht werden; für jetzt sei ihr, vorwegnehmend, die zutreffendere gegenübergestellt. Danach besagt der Satz, dass der דרוש den פשט nie unberücksichtigt lässt, sondern unter voller Würdigung des Sinnes, den jener im Bibelworte findet, seinerseits eben diese Werte in höherem Grade nutzt. In unserem Falle: das Wesen der ידיעת ציד besteht im ערמימות, in der scharfen Beobachtung und Erkenntnis des Intelligenzgrades, der Lebensgewohnheiten, der Stärke und der Vertrauensseligkeit des Waidwildes, dem man nachzustellen gedenkt. Der Besitz dieser

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