Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 274)
- Language
- German
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- Rashi 1× ep/1002670
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246 geistigen und sittlichen Strömungen je ihrer Zeit gleich diesen dem Entwickelungsgesetz unterliegen müssten. Schwer verstündlich ist bei dieser Auffassung, wie man aus jenem Geständnis Raschis, welches Raschbam I. Mos. 37, 2 bezeugt, שאילו היה לו פנאי היד. צריך לעשות פירושים אחרים לפי הפשטות המתחדשים בכל יום, das Urteil herleiten will, dass Raschi selbst später unter dem Einflüsse der exegetischen Anschauungsweise Raschbams die Verbesserungsbedürftigkeit seines Commentars einsehen gelernt habe (Rosin 1. c. S. 69). Aber die פשטות המתחדשות בכל יום entfalten ihre revisionistische Tendenz, nach obiger Anschauung, ja zu jeder Zeit und gegen jede vorangegangene exegetische Leistung, und folgerichtig hätte auch Raschbam am Ende seiner Tage bekennen müssen, dass sein Werk der Umarbeitung bedürfe. Ganz unverständlich aber ist es, wie Rosin mit dieser Grundanschauung von den Wesensbedingungen der Exegese seine Auffassung vom פשט lediglich als ״Wortsinn* (S. 78 u. a.) vereinbaren zu können glaubt. Der ״Wortsinn“ ist doch zweifeilos eine unwandelbare Grösse, die von geistigen oder sonstigen Strömungen nicht beeinflusst werden kann, sondern deren riehtige Einschätzung allein eine Frage genügender grammatikalischer und lexikalischer Kenntnisse ist. Wäre פשט also identisch mit ״einfacher Wortsinn“, so schiede er für die literarhistorische Würdigung der exegetischen Tätigkeit aller Zeiten eben darum völlig aus, weil er von dem Grundgesetze derselben, ״Spiegelbild der Zeitbildung“ zu sein, durch seine starre Unbew eglichkeit eximiert wäre. Zunz hat diese Klippe glücklich vermieden, indem er, wie dargetan, dem ״Wortsinn“ die ״natürliche Hermeneutik* als zweiten Inhaltsbegriff an die Seite stellte. Dafür hat er mit dem Schlagworte ״ natürliche Hermeneutik “ der subjektiven Richtung in der Exegese allerdings erst das Tor geöffnet. Auch in seinen ״gottesdienstlichen Vorträgen “ (H. Aufl. S. 337 ff.) ist Zunz seiner zunächst für Raschi gefundenen Definition treu geblieben und übersetzt für die Exegese allgemein פשט mit ״Wortsinn und natürliche Hermeneutik.“ Bevor wir ihm aber auf dieses erweiterte Gebiet folgen, mögen erst einige lehrreiche Beispiele aus Raschis Pentateuch - Commentar die