Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 273)
- Language
- German
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245 u. y. a. Dass unter משמע nicht gut ein anderes als der auf grammatikalischem und lexikalischem Wege zu erhebende ״einfache Wortsinn * verstanden werden kann, bedarf keines Beweises. Wenn also Raschi da und dort den פשט auf das משמעות zurück• führt, so muss er ihm doch auch in anderem Gewände möglich und zulässig erschienen sein. Zunz hat das richtig erkannt, in״ dem er ״Wortverstand und natürliche Hermeneutik“ als Bausteine des פשט ansieht. Um so weniger vermag aber der Begriff der natürlichen Hermeneutik zu befriedigen, der, als exegetischer Wert, nicht viel mehr als ein Wort statt eines Begriffes bietet. Was natürlich ist oder nicht, das hängt in seiner Auffassung nicht nur von Zeit und Umständen ab, sondern am letzten Ende entscheidet darüber lediglich das subjektive Befinden des einzelnen, das keiner Correktur durch eine feste Richtlinie unterliegt. Es ist denn auch nur folgerichtig, wenn z. B. Rosin, der den Spuren von Zunz folgt, in seinem Lebensbilde des Raschbam (Wissenschaftliche Beilage zum'Jahresberichte des Breslauer Seminars 1880) über die Exegese folgendermassen urteilt: ״Die Schriftauslegung (Exegese) kann mit Recht als ein Spiegel der Zeitbildung bezeichnet werden. Wie die Literatur im allgemeinen Geist und Gemüt in ihrer zur Äusserung und Mitteilung drängenden Kraft und Lebendigkeit darstellt und so die gediehene Reife, die gewonnenen Anschauungen, das errungene Wissen, den erreichten sittlichen Standpunkt in den verschiedenen Zeitaltern ihrer Entstehung im ganzen genommen getreulich abbildet, so ist auch die exegetische Literatur auf ihrem Gebiete jedesmal abhängig von den die Auslegung leitenden und bestimmenden Anschauungen, Begriffen, Gedanken, von depi jeweiligen Stande des religiösen und sittlichen Bewusstseins und der geistigen Regsamkeit in dessen Bereich, von den Erfahrungen, Neigungen und Richtungen, welche in der Zeit ihrer Entstehung sich geltend gemacht haben.“ Dieses Bekenntnis zum Subjectivismas in der Exegese kann an: Stärke kaum überboten werden. Es verneint sogar die Möglichkeit, einen absoluten Maßstab für die in der Exegese nach Ausdruck ringenden Werte finden za können, da dieselben in fortwährendem Flusse begriffen, nur aus ihrer Zeit verstanden mnd gewürdigt )verden könnten und in ihrer Abhängkeit von den