Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 272)
- Language
- German
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244 nommen und ohne Tendenz an die Betrachtung der Dinge herantritt. Bei diesem Sachverhalt sollte man aber das Eine wenigstens mit Recht voraussetzen dürfen, dass über das Wesen dieser beiden hermeneutischen Formen die vollste Klarheit herrscht, dass es an einer erschöpfenden und durchsichtigen Definition des פשטwie des wn-Begriffs nicht gebricht, zumindest aber, dass die charakteristischen Merkmale des פשט, als der in erster Reihe gegebenen und in sich einheitlichen Methode der Bibelauslegung, so scharf umschrieben sind, dass weder über den Weg, den sie einschlägt, noch über das Ergebnis, zu dem sie führt, jemals ein Zweifel entstehen könnte. Dem ist aber nicht so. Zunz, der, zeitlich als erster, in seinem bekannten Versuche zur Biographie Raschis (״Salomon ben Isaac, genannt Raschi“ im I. Band, II. Heft seiner Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums, Berlin 1822) eine derartige Definition zu geben unternimmt, übersetzt פשט kurzweg mit ״natürliche Auslegung“, der er die ״recipierte, allegorische“ im דרוש gegenüberstellt. Von diesen unterscheidet er dann noch eine dritte Form, für die er kein hebräisches Aequivalent findet, ״nämlich den Wink des geschriebenen auf das überlieferte Gesetz“ (1. c. S. 292), worunter offenbar die halacbische Exegese verstanden werden soll. Und an einer anderen Stelle rühmt er an Raschi, dass ״er die heilige Schrift ihrem Urgedanken nach wiederzugeben strebt, Wortverstand und natürliche Hermeneutik sollen ihm dies bewirken helfen; daher ist er dem sogenannten פשט sehr gewogen“ (s. c. S. 325). Diese Definition wird der Auffassung Raschis vom Wesen des פשט, wie darzutun sein wird, im ganzen wenig gerecht. Sie behält den Gegensatz zwischen rationeller Erklärung und allegorisierender Auslegung allzustark im Auge und verliert darüber die richtige Distanz gegenüber der viel wichtigeren, aber auch viel schwierigeren Unterscheidung zwischen ״einfacher“ und halacbischer Exegese. Aber in einem Punkte, der von den Späteren mit gleicher Schärfe nicht erkannt und gewürdigt worden ist, verzeichnet sie eine richtige Feststellung; das ist die Erkenntnis, dass Raschi nicht nur פשט und מדרש unterscheidet, sondern beiden noch einen dritten Faktor in dem משמעות הקרא gegenüberstellt; so in der oft wiederkehrenden Wendung פשוטו כמשמעו