Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 271)
- Language
- German
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Zur Methodologie 11er talmudischen Bibelexegese*). Von Dr. Eduard Biberfeld in Berlin• Die Tatsache des Vorhandenseins eines dualistischen Prinzips in der Bibelexegese, wie sie der Talmud übt, der Gegensatz zwischen der Auslegung des Bibeltextes עפ״י הפשט und עפ״י הדרוש ist von der neuen, jüdisch-literarischen Arbeit so sehr in den Vordergrund aller Betrachtungen geschoben worden, dass nicht nur Wert und Bedeutung der Einzelleistungen der alten Exegese fast ausschliesslich an der Hand dieses Maßstabes geprüft und gewogen werden, sondern sogar ganze Epochen ihre günstige oder abfällige Beurteilung unter dem Gesichtspunkte finden, ob sie in ihrer exegetischen Produktion eine grössere Hinneigung zum פשט oder zum דרוש hervortreten lassen. Es bedarf nur eines Blickes in unsere Geschichts- und Literaturgeschichtswerke, um sich von dieser Tatsache zu überführen, deren Berechtigung nicht bestritten werden soll, insofern, als der Geist, der in der Bibelauslegung einer Zeit lebt, einen Rückschluss darauf gestattet, ob in ihr diejenigen Momente gegeben waren, welche je nachdem sentimentalen, allegorisierenden und homiletisierenden Tendenzen die Oberhand verschafften oder exakter, strenglogiscber Denkart das Feld eröffneten und die spekulative Reflexion hinter der ,Erkenntnis des Erkannten" zurücktreten Hessen. Aber diese Auffassung führt, wie nachzuweisen sein wird, zu einer schiefen Stellungnahme, wenn ohne Weiteres die erstgenannte Art mit dem דרוש identifiziert und damit diesem der Stempel geistigen Minderwerts aufgedrückt, der פשט aber als der alleinige Repräsentant der anderen Art, als Spiegelbild einer ungezwungenen und natürlichen Geistesrichtung gepriesen wird, die unvoreinge- *) Vergleiche Jahrbuch I, 224 ff.