Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 239)
- Language
- German
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211 abnahm und Gottesverleugnung und Geringschätzung der heiligen Lehre immer mehr um sich griffen. Diese traurigen Zustände zeitigten ein Ereignis, das, höchst betrübend in seiner Erscheinung und noch betrübender in seinen Wirkungen, in der jüdischen Geschichte einzig dasteht: die jüdischen Hasser des Judentums, die Gegner des Talmudstudiums riefen die Polizeigewalt an, um mehr als hundert Talmudiünger aus Fürth zu verjagen. Man lese die verschiedenen Aussprüche tiefsinnigen Empfindens, mit denen R. Wolf Hamburg diese Geschehnisse darstellt, und man wird das ganze Weh mitfühlen, das ihn und alle seine Gesinnungsgenossen damals getroffen hat. Der Mann, dessen Charaktergrosse, dessen Gesinnungstüchtigkeit und dessen talmudisches Wissen sich einigermassen, wenn auch nur annähernd, darnach bewerten lassen, wie seine Jünger später ihren Lehr- und Lebensberuf auffassten und wie zeitgenössische Gelehrte ihn verehrtenx); derselbe R. Wolf Hamburg wurde von seinen Gegnern so verfolgt, dass er zuweilen in Lebensgefahr schwebte * 2), und derselbe R. Wolf Hamburg behielt nicht einen einzigen Schüler, durch den er seine Briefe, die er in Druck geben wollte, hätte abschreiben lassen können 3). Ja sogar das Bethamidrasch seines Ahnen Bärmann Fränkel, wäre ihm verschlossen worden, wenn ihn nicht die staatliche Hilfe in seinen verbrieften Rechten geschützt hätte 4). « Trotz aller dieser traurigen Lebensschicksale und trotz vielfacher Heimsuchungen durch eigene Krankheit und frühes Absterben seiner Kinder hat R. Wolf Hamburg dennoch ein hohes Alter erreicht. Er starb im 81. Lebensjahre am Mittwoch, 4. Siwan (15. Mai) 1850, nachdem er zuvor die Bestimmung getroffen hatte, dass keine Leichenrede gehalten und auf seinen Grabstein nichts weiter, als sein Name gesetzt werden solle 5). *) Man lese beispielsweise die Ausdrücke der Huldigung, mit denen er von einem R. Mose Sofer angesprochen wird; vgl. גחלת בנימין p. 24 a; ferner שז׳׳ת חתם סופר יו״ד No. 214 und אה״ע No. 82. 2) Vgl. שער חזקגים II. Vorwort. 3} Vgl. das. I. Vorwort. 4) Mitverwalter der Bärmann Fränkelschen Stiftung war der 1851 verstörbene Gemeindekassier Salomon Wedeies, dessen Grossvater Lob Wedeles (genannt Löw Prager) Gatte der Malka, einer Enkelin des Stifters, war. 5) Memorbuchauszug und Grabstein s. im Anhang.