Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 228)
- Language
- German
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200 bescheidenes, anspruchloses und ascetisches Leben führte1). Alle diese Eigenschaften wecken Gefühle der Hochschätzung für einen Mann wie R. Hirsch Janow, der vielfach unter Verkennung und Missachtung zu leiden hatte. Wer seine Charaktergrösse in ihrem wahren Lichte sehen und anstaunen will, der muss lesen, wie der Skeptiker und Spötter Salomon Maimon, nachdem er schon mit den! Judentum völlig gebrochen hatte, über ihn denkt und was er über ihn schreibt;2). Bemerkungen wie die, dass Janow täglich fastete und die ganze Woche kein Fleisch ass, sind bei dem schwärmerischen Maimon freilich nur cum grano salis hinzunehmen. Falsch ist zweifellos Maimons Angabe über Janows Alter. Er starb nicht im 36., sondern im 52. Lebensjahre; sein Geburtsjahr ist nicht 1750, wie Grätz nach Maimons Angaben verzeichnet, sondern 1733; bei der Wahl zum Rabbiner von Posen war er nicht 26, sondern 43 Jahre alt3). Grätz schreibt diese chronologischen Irrtümer Maimons nach und reiht hieran folgende weitere Bemerkung: ״Dieser göttliche Mann, wie ihn Maimon nennt, hat mit seinem Collegium in Fürth das Interdikt gegen die Mendelssohnsche Übersetzung ausgesprochen“. Schon vorher stellt Grätz als im allgemeinen bekannt hin, ״dass einige Rabbinen, namentlich der Oberrabbiner von Hamburg und der zu Fürth, den Bann gegen Mendelssohns Versuch, den Pentateuch in reines Deutsch zu übersetzen, geschleudert haben“. Weiter wird dann aus Mendelssohns Briefen die Stelle citiert, wo Mendelssohn sagt: ״Ich höre von Fürth aus, dass u. s. w.“ R. Hirsch Janow bleibt für Grätz ebenso ״ein Muster ehrlicher, selbstloser Frömmigkeit“, wie ein ״Eiferer gegen die Mendelssohnsche Übersetzung“. Fürth wurde ״als der geeignetste Ort angesehen, von wo aus (wohl Juni 1779) die Bannstrahlen gegen 1J Er war auch Mohel und wird als solcher yon R. Wolf Hamburg erwähnt; cf. שמ?*ת בנימין JI p. 78 b. s) ״Nie kann ich ohne die tiefste Rührung an diesen göttlichen Mann denken" — so schliesst Salomon Maimon den betreffenden Abschnitt seiner Lebensgeschichte; vgl. auch Grätz Gesch. XI, 587. 3) Maimon träumte etwas davon, dass Janow schon in jungen Jahren als Rabbiner amtierte, aber er gab sich nicht die Mühe, sich genauer hier״ über zu verlässigen.