Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 229)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486277--2278-3489084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
201 Mose Dessau’s Deutschen Pentateuch geschleudert wurden“. ״Ein förmlicher Bann ist also nur in Fürth darüber verhängt worden“ 1). ״Ich höre von Fürth aus“ sagt Mendelssohn; wer war nun sein Fiirther Berichterstatter? Sicherlich kein anderer als Dr. Wolf, der 1760 als Hospitalarzt in Fürth angestellt wurde und dessen Sohn Aron Halle, genannt Wolfssohn, der Schule der Measfim angehörte. Es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, dass E. Hirsch Janow ebenso wie ein grosser Teil seiner Gesinnnngsgenossen in der Mendelssohnschen Bibelübersetzung eine Gefahr für das Judentum erblickte. Allein die Behauptung, dass von Fürth das Alarmsignal ausging und dass der Fiirther Rabbiner und sein Kollegium den Bann gegen die Bibelübersetzung ausgesprochen haben, ist eine Grätzsche Vermutung, die durch keinen autoritativen Nachweis bestätigt werden kann. Vielmehr steht fest, dass, laut Gemeindestatut, das Eabbinat nicht befugt war, ohne Mitwissen und Mitwirken des Gemeindevorstandes einen Bann auszusprechen. Es steht ferner fest, dass laut früherem Gemeinde- Statut kein neues hebräisches Buch ohne Erlaubnis des Vorstandes in Fürth verkauft oder verschenkt werden durfte. Es steht endlich fest, dass in den Protokollbüchern 1778 bis 1781 keine Spur von einem Bann enthalten ist und dass keine öffentliche Bekanntmachung (כרוז) in der Synagoge in diesem Betreffe stattgefunden hat2). Krankheit und Körperschwäche, von denen R. Hirsch Janow schon früher heimgesucht wurde3), veranlassfcen ihn im Sommer 1785, eine Kur in Wiesbaden zu gebrauchen; die Gemeinde gab ihm zu den Kurkosten ein Geschenk von 150 fl. nebst einem Blankokreditbrief; da er von diesem keinen Gebrauch machte, erhielt er bei der Rückkehr noch einmal eine Gratifikation von 12 Karld’or. Die Kur hatte nicht den gewünschten Erfolg. Die ר Gratz, Gesch. XI, 46, 145, 590. 2) Auch für die Behauptung, dass R. Jecheskel Landau in Prag (נודע ביהודה) über die Mendelssohnsche Bibelübersetzung den Bann ausgesprochen habe (Grätz Gesch. XI, 97), fehlen tatsächliche Beweise; vgl. Brüll, Jahrbücher, 111, 210. 3) 1780 wurde seine Wiedergenesung von seinem oben genannten Schüler Noa in einem hebräischen Gedichte gefeiert, das Seligmann Scfile« singer in Fürth ins Deutsche übertrug; vgl. Pinner Katalog p. 69; Stein- Schneider, Cat. Berlin No- 255 & bi3*