Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 158)
- Language
- German
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130 Von grossem Interesse sind besonders die Ausführungen des Verfassers über die Erziehung. Namentlich befürwortet derselbe die Einrichtung von Simultanschulen und erwartet von dem gcmeinschaftlichen Schulbesuch jüdischer und christlicher Kinder die segensreichsten Folgen. ״In unserem Lande wohnen die Juden viel zu zerstreut und sind zu arm, als dass der Staat ihnen die Anlegung zweckmässiger Schulen zumuthen könnte, auch würde es vor der Hand an fähigen Schullehrern ihres Glaubens fehlen, aus allem diesen fiiesst schon die Nothwendigkeit, dass die Kinder, die ferner nicht wie bisher vernachlässigt werden dürfen, die christlichen Schulen besuchen müssen« Wäre aber auch diese Nothwendigkeit nicht vorhanden, so würde ich dieses als das zweckmässigste Mittel zur Bildung der Juden aufs Dringendste anempfehlen“. In sehr optimistischer Auffassung erhofft nun du Thil von der Gemeinsamkeit des Unterrichts zwischen Juden und Christen die völlige Beseitigung aller Vorurteile und bessere Amalgamierung. ״Nichts kann mehr die eingewurzelten Vorurtheile beider Theile gegen einander zerstören, nichts mehr den künftigen vorbeugen, als dieser gemeinschaftliche Unterricht. Gegen Menschen, mit denen man als Kind täglich vertraut lebt und Freude und Leid theilt, können keine Vorurtheile entstehen; hier werden sich Freundschaftsverbindungen für das Leben schliessen, die vorher unmöglich waren, es wird nach und nach eine Gleichheit der Sitten entstehen, deren Mangel bisher jeder Besserung entgegenstand“. Aus diesen Gründen wendet sich der Verfasser auch gegen die Gründung eigener jüdischer Volksschulen in Städten, z. B. in Darmstadt1), wo die Juden in grösserer Zahl wohnen und wohlhabender sind, ״obgleich diese Schulen nach unserem System eingerichtet und teilweise auch christliche Lehrer angestellt wurden“. Dies würde nur einen Sektengeist nähren, und es würde auch Verfasser hat schon früher in seinem Gutachten erwähnt, dass in Darmstadt sich damals keine öffentliche Schule für jüdische Kinder befand. Mehrere Familien unterhielten gemeinschaftlich einen Lehrer und die bemitteiteren Familien für ihre Kinder sogar einen Hauslehrer, der sie 250 bis 300 fl. jährlich kostete. Verfasser hebt dabei rühmend hervor, dass ״selten einer unserer Bürger für die Erziehung seiner Kinder einen solchen Auf•׳ wand mache“