Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 156)
- Language
- German
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128 bürgerlichen Gewerbes mit Ausschluss des Kleinhandels abhängen, lind man wird den doppelten Zweck erreichen, die Nation von dem letzteren abzuziehen und uns um vieles näher zu bringen1). Aus allen erwähnten Gründen kommt du Thil zu dem Antrag: ״zwar die Zulässigkeit der Juden zum Staatsbürgerrecht im Allgemeinen ein für allemal in einem Gesetze auszusprechen, mit der Zulassung der Individuen aber nur nach und nach vorzuschreiten״. Der Verfasser verweist nun auf die Anhalt-Köthische Regierung, die denselben Weg im Laufe des Jahres eingeschlagen habe. Dass die Forderung der Entfernung der Juden vom Kleinhandel auf die Dauer nicht einmal gesetzlich durchzuführen ist, fühlt der Verfasser selbst, ebenso führt er in richtiger Erkenntuis, dass hiervon keine wirkliche Abhülfe zu erwarten ist, treffend aus: ״Es ist ein Widerspruch, Menschen auf diese Weise von einer Beschäftigung abzuziehen, wozu sie durch die historirische Entwicklung gedrängt wurden. Ein weiterer Widerspruch ist es, eine politische Strafe auf den Betrieb eines Metiers zu legen, das der Staat doch nicht entbehren könne. In der That wirdc kein Staatswirth misskennen, dass Kleinhändler, Colporteure, Mäkler u. s. w. in jedem zivilisierten Staate unentbehrliche Personen seyen, er wird einräumen, dass wenn heute alle Juden verschwinden, Christen an ihrer Stelle diese Geschäfte übernehmen -würden, er wird auch einsehen, dass man den Menschen in Hinsicht der Wahl ihrer Gewerbe keine Fesseln anlegen müsse, dass es besser gethan seye, hier alles dem freyen Gange der Natur zu überlassen״. Für Vorschläge zur Durchführung seines Antrags betont du Thil besonders folgende Ideen: 1) Der Vorwurf der einseitigen Beschäftigung der Juden mit dem Klein׳ handel wurde zu allen Zeiten erhoben. Wie unberechtigt derselbe ist, und dass, wo diese Tatsache vorhanden, sie durch die historische Entwicklung ge׳ radezu zwingend herbeigeführt wurde, ist schon von vielen Seiten eingehend begründet worden. Man erblickte eben im Kleinhandel dasselbe wie im Wucher und Schacher und versprach sich von der Entfernung der Juden vom Handel den einzigen Weg zur kulturellen Hebung derselben. Das Un> haltbare dieser Ansicht legt Verfassser selbst später eingehend dar• Siehe auch Im Anhang.