Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 152)
- Language
- German
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124 Juden (Wucher, Abneigung gegen Landbau, Arbeit und Militärdienst, Mangel an Patriotismus, Untreue gegen Nichtjuden, Eid) unter Bezugnahme auf viele Beweisstellen in dem Pentateuch und Schulchan Aruch, Entscheidungen des Pariser Synhedriums u. s. w. Die glänzenden Ausführungen bekunden eine ganz hervorragende Kenntnis der verschiedensten Gebiete des jüdischen Schrifttums, seines Gesetzes, des jüdischen Volkslebens in cultueller, ritueller und moralischer Hinsicht und seiner Beziehungen zu den Staatsgesetzen. Dies beweist auch das folgende Besum£ des bisherigen Abschnittes, welches zugleich den zweiten Teil der Arbeit, nämlich die Vorschläge zur Besserung der Lage der Juden und der geeigneten Gesetzgebung hierzu einleitet: ״Wenn ich keine Mühe gespart habe, um soviel es meine geringen Kräfte zuliessen, zu prüfen und alles, was mir zu Gebote stand, für und wider zu lesen, so geschah es nur, um als ehrlicher Mann mit Überzeugung eine Meinung über die Sache äussern zu können — und diese ist keine andere, als dass die jüdische ßeligion keine Lehrsätze enthalte, welche das Wohl und die Sicherheit des Staates gefährden1). An einer anderen Stelle sagt er: ״Gewiss kann man der jüdischen Beligion das Zeugniss nicht versagen, dass sie eine gute Moral enthalte und nirgends Unsittlichkeit predige, vielmehr die allerstrengste Moralität gebietend von ihren Bekennern verlange. Das sogenannte Glaubensbekenntniss der Juden, welches nach dem Beyspiel der Dogmen der Christi. Kirche im 12. Jahr- 1J Von hohem Interesse für die Bedeutung der damals über diesen Gegenstand verfassten Schriften, aber auch für den tiefgründigen kritischen Blick des Verfassers dieses Gutachtens ist folgende Fussbemerkung: ״Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, dass, indem man 10 dieser Schriften liest, man sich doch immer noch in demselben Kreise herumdreht und selten neue Ansichten findet, es blieb mir also nichts übrig, als meinen eigenen Weg zu gehen, so gerne ich mich auch an einen Schriftsteller von Ansehen blos angeschlossen hätte. — Ich kann nehmlich nicht bergen, dass meiner Meinung nach selbst die Schriften von grösstem Ansehen in dieser Materie, die von Dohm und Luden eigentlich schöne Declamationen sind, nicht genug zur ersten Quelle des Streites hinaufsteigen, und ob sie gleich fast durchaus Wahrheiten enthalten, sich nicht genug bemühen, sie zu be~ weisen, daher scheint mir niemand den richtigen Gesichtspunkt in dieser Sache besser aufgefasst zu haben, als die französische Regierung*“