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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 149

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 149)
Language
German
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121 In treffender Charakterisierung der bisherigen Juden-Gesetzgebung fährt der Verfasser dann fort: ״Ohne Zweifel fällt jedem der Mangel an obrigkeitlicher Leitung in die Augen, denn man findet meistens nur Gesetze wider, nicht für die Juden, und welche Wege, sich ehrlich zu nähren, sind ihnen noch übrig? Nur ein gewisser Handel ist ihnen gestattet, und bey uns ist auch dieser durch mancherley Privilegien, Zunft-Artikel, Ge- und Verbote ausserordentlich eingeschränkt, es bleibt also den meisten Juden in den Städten nur das Parthiren, Trödlen, und Versaznehroen übrig, ja auch hierbey sind sie meistens nur Mäkler; die Landjuden aber treiben ausser der Kranmerey und dem Schlachten, soweit ihnen beydes gestattet ist, hauptsächlich nur einen Viehhandel, der jedoch lange nicht mehr das ist, was er sonst war 1). Man kann vielleicht überhaupt sagen, dass die Juden in Städten und auf dem Lande heut zu Tage ebenso oft betrogen werden als die Christen, denn um etwas zu gewinnen, wagen sie das Äusserste; wo niemand mehr borgen will, borgt noch der Jude, aber wie oft verliehrt er auch seine ganze Forderung, es seye nun gerichtlich oder aussergerichtlich l * Obgleich das Gutachten bei Besprechung der Moralität unter den Juden vom Geiste der Zeit nicht unbeeinflusst ist und an manchen Stellen gewisse Vorurteile verrät, so bricht am Schlüsse dennoch die aus historischer Würdigung aller Umstände resultierende Einsicht des Verfassers in folgenden verständigen Worten durch: ״Man wird gerecht genug sein, anzuerkennen, dass die Charakter-Erscheinungen bei den Juden keine angestammten Fehler des Volkes, sondern dass sie durch äussere Umstände herbeigeführt sind, man wird insbesondere nicht so unbedingt eine Eeligion verdammen, welche ihren Bekennern eine seltene Ausdauer unter den fürchterlichsten Drangsalen, eine stille Hingebung in das traurigste, Jahrtausende hindurch wüthende Schicksal und häussl) Stockhausen findet als Grund hierfür nicht allein die Concurrenz christlicher Händler, sondern auch die Fortschritte der Vieh- und Pferdezucht, welche den Bauern in den Stand setzen, selbst zu ziehen oder von seinen Nachbarn das zu kaufen, was der Jude sonst herbeischaffen musste.

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