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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 148

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 148)
Language
German
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i20 ängesiedelt haben, welche dieselben Gewerbe wie die Juden betreiben. — Dass ich hierin nicht übertreibe, geht einestheils aus dem Sinken des jüdischen Steuerstocks, anderntheils daraus hervor, dass schon vor 20 Jahren, der Haupt-, ich dürfte fast sagen der einzige Grund, welcher von den Geschäftsmännern für die Erweiterung der jüdischen Nahrungszweige angeführt ward, darin bestand, dass sie nicht mehr subsistieren könnten, nicht mehr im Stand seyen, ihre Abgaben zu entrichten, und man also Sorge tragen müsse, ihnen Mittel zu verschaffen, dem Staate ferner die gewohnte Einnahme zu gewähren. Zu allen diesem kommt nun, dass der Jude im Verhältnis zu seinem Vermögen fast alle Abgaben bezahlt, die ein anderer Unterthan entrichtet, dass er ohne Rücksicht auf Vermögen ferner ein Schutzgeld bezahlt, welches das stärkste Kopfgeld ist, das je entrichtet ward, dass die Abgaben zu der gemeinschaftlichen Judencasse und der Synagoge sehr beträchtlich sind, und dass er alle Bedürfnisse seiner Hausshaltung erkaufen muss; alles dieses muss der eben geschilderte Handel abwerfen, und nun berechne man, was zum Lebensunterhalt einer oft sehr zahlreichen Familie übrig bleibt. Kurz meine kleinen Betrachtungen und die Erfahrungen mehrerer Geschäftsmänner überzeugen mich, dass das Loos gemeiner Taglöhner, welche für ihr Beysassen-Geld eine Almenten-Nutzung haben, keine Abgaben, als höchstens die Indirecten entrichten, meistens viel gelinder, als das so mancher Juden ist, jener gewinnt wenigstens sicher seinen Lebensunterhalt, dieser ringt mit den nagendsten Sorgen und kann ihnen oft mit dem besten Willen nicht abhelfen; nebenbey drückt ihn die so schwer auf ihm ruhende Verachtung, und er muss daher mit der Verzweiflung ringen1).“ Konnte man die menschliche und soziale Not der Juden Hessens jener Zeit drastischer schildern? l) Hier wird auf einen Bericht des Regierungsrats Stockhausen vom 29. Dezember 1781 hingewiesen, worin er sagt: ״Es ist nur allzubekannt, dass die meisten unserer Juden verarmt sind, täglich noch mehr verarmen und die Aussichten ihrer Nachkommenschaft noch trauriger sind. — Hieraus entsteht nicht nur unmittelbarer Abgang an den herrschaftlichen Einkünften, sondern auch vielfältiger Schaden für das gemeine Wesen“.

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