Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 147)
- Language
- German
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119 fand ich bis auf eine oder die andere nicht nennenswerte Ansnähme nur folgende Erwerbszweige: Yiehhandel, Fruchthandel, Kraemerey, Handel mit kurzen und mit Ellen-Waren, Handel mit altem Eisen, mit alten Kleidern und anderen aufgekauften Sachen, Schlachten, Mäcklen. Dann kommen einzelne, die vom Seifensieden, Licbterziehen, Musicieren, Färben, Nähen und Stricken, Lotterie-Collectorey und ihrem Amte als Rabbiner, Vorsänger oder Schulmeister, meistens endlich von der Judenwirthschaft leben. Dieses wären also ohngefähr die einzigen Nabrungszweige unserer Juden, es genügt aber nicht, sie zu nennen, es ist nöthig, noch einige Bemerkungen beyzufügen. Schon bey der blossen Aufzählung derselben springt es in die Augen, dass sie nicht sehr einträglich seyn können, die Beamten fügen aber bey sehr vielen in der Liste bey: lebt von einem unbedeutenden Handel, von einem kleinen Krämchen, überdiess führen sie an, dass sehr viele in Compagnie handeln, nicht etwa um ihren Wirkungskreis zu erweitern, sondern weil keiner ein hinlängliches Capital hat, um allein zu handeln, wie klein muss also der Gewinnst eines jeden seyn? Ferner, da sie fast alle einen Erwerbszweig haben, muss sie die übertriebene Concurrenz zu Grunde richten, ich fand z. B., dass in einem einzigen Dorfe 4 Krämerey trieben, endlich muss ich bemerken, dass laut dieser Tabellen, die grössere Zahl sich vom Mäklen ernährt — da sie nun grossen Theils auf dem Lande leben, die Spenden der Bauern nicht sehr reichlich ausfallen, so urtheile man, was dieser Handel ohne Capital abwerfen kann? So war es schon vor 20 Jahren, seitdem hat sich in ihren Gewerben nichts verändert, als das, dass sie noch weniger einträglich geworden sind. Die allgemeine Stockung des Handels und der Umstand, dass alle Klassen, besonders der Landmann, sich äusserst einschränken, weniger als sonst kaufen muss, bringt dieses nicht nur mit sich, sondern die Bedrängnis der Juden wird noch dadurch vermehrt, dass in neueren Zeiten, besonders seit den 90er Jahren sich weit mehr Christen als ehemals dem Handel gewidmet und bey dem damaligen schnellen Steigen des Wohl- Standes der Landleute sich eine Menge von Leuten in den Dörfern