Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 135)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3486266-3486277--2184-3488990
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10? abgelehnt worden war. Für seine Bescheidenheit und Uneigenn&tzigkeit ist bezeichnend, dass er die Pensionierung mit vollem Gehalt ״als gegen die Staatsgesetze verstossend“ ausschlug. Sein Tod erfolgte am 17. Mai 18591)., Anfangs der 50er Jahre verfasste du Thil Denkwürdigkeiten, welche auf dem Grossherzoglichen Staatsarchiv aufbewahrt sind. Für deren Bedeutung spricht zur Genüge der Umstand, dass Oncken und Treitschke dieselben bei Abfassung ihrer Werke benützt haben. Durch Hinisterial-Bescript vom 1. August 1809 wurde du Thil zu einem Gutachten über die Frage veranlasst, 0״ b den Juden des Grossherzogtums Hessen eine neue Verfassung zu geben sei“. Du Thil unterzog sich dieser Aufgabe mit einem Verstandnis, einem staatsmännischen Geschick, sowie einer vollendeten Sachkenntnis, die ebenso wie der gerechte Sinn des Verfassers unsere höchste Bewunderung erregen. In dreifacher Hinsicht gliedert er seine hochinteressanten Darstellungen. Während er im ersten Teil mit erstaunlicher Wissensfülle die damalige Lage der Juden beleuchtet, den Werdegang dieser Verhältnisse historisch erläutert und eine gerechte Würdigung der jüdischen Literatur bekundet, erörtert er im zweiten Teile, unbeeinflusst von der Stimmung der Menge und den Vorurteilen der Zeit, in humaner Weise die dringende Notwendigkeit der Abhilfe, um sodann im dritten Teil seine Vorschläge zur helfenden und bessernden Aktion von Staatswegen im Interesse der jüdischen Bevölkerung niederzulegen. Das Gutachten, welches in allen Teilen den hingebenden, toleranten und humanen Geist des Verfassers atmet und mit staatsmännischem Blick, getragen von kluger Beurteilung und vollendeter Beherrschung des Stoffes, eine erschöpfende Dar- Stellung der gesamten jüdischen Verhältnisse in Hessen gibt, muss als ein hochwichtiges Dokument für die Geschichte der Juden *) Auf dem Wege von Darmstadt nach Treysa, nahe der Klipsteinseiche, wurden 2 Eichen gepflanzt und nach ihm benannt, sowohl zur Ehrung seines Andenkens, als auch zur Erinnerung an die zwei Staaten Hessen und Preussen, welche den ersten Schritt zur wirtschaftlichen Einheit taten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.