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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 134

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 134)
Language
German
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106 Zum bessereren Verständuis des Gutachtens und des Geistes, der dieses denkwürdige Dokument erfüllt, seien einige Notizen über den Verfasser gegeben. Freiherr Karl Wilhelm Heinrich du Thil entstammte einer alladeligen Familie der Normandie, die bei der Hugenottenverfolgang aus Frankreich geflohen war. Du Thil wurde am 22. April 1777 zu Braunfels geboren. Sein Vater und Grossvater waren durch Besitz des Gutes Grass in der Wetterau Untertanen des Landgrafen von Hessen. Er besuchte einige Zeit die Karlsschule bei Stuttgart, studierte in Tübingen und Göttingen und nahm 1799 eine Anstellung in Fürstlich Solms-Brannfelsischen Diensten. Gründlich und vielseitig war seine Bildung, und auf weiten Beisen hatte er seinen Gesichtskreis erweitert. Durch zufällige Bekanntschaft mit Minister von Barkbaus kam du Thil nach Darm- Stadt, wo er in »gnädigster Erwägung seiner guten Eigenschaften“ am 19. August 1802 einstweilen zum Kammerherrn ernannt wurde. Am 8. Juni 1803 trat er als Regierungsrat in den aktiven hessischen Staatsdienst, und bald konnte er seine Fähigkeiten nach verschiedenen Seiten hin verwerten. Nach der Schlacht bei Leipzig schloss er unter schwierigen Verhältnissen den Vertrag von Dörnigheim, durch welchen der Grossherzog, den französischen Drohungen zum Trotz, den Verb&ndeten beitrat und so das Fortbestehen seines Landes sicherte. Von 1821—1829 war du Thil Finanzminister und zugleich Minister des Grossherzoglichen Hauses und des Äusseren. Nach d°m Tode des Staatsministers von Grolmann (1829) wurde er zum leitenden Staatsminister ernannt. Eines der wichtigsten Ereignisse während seiner Ministerlanfbahn war der Abschluss des hessisch-preussischen Zollvertrags am 14. Februar 1828, der für Hessen nicht nur den grossen finanziellen Vorteil der Verteilung der Zolleinnahme nach der Seelenzahl batte, sondern als Anfang des deutschen Zollvereins auch eine eminent politische Bedeutung erlangte. Von Bedeutung sind ferner du Thils für Kirche und Schule grundlegende Organisationsedikte, auch erfuhren Wissenschaft und Kunst, sowie Landwirt- Schaft durch ihn grossse Förderung. Im Jahre 1848 wurde er in den Ruhestand versetzt, nachdem vorher seine zweimalige Bitte um Pensionierung von Ludwig II. in schmeichelhafter Weise

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