Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 126)
- Language
- German
- Belongs to
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98 dass ich mich mit ihr nicht befreunden kann, habe ich in meinem Artikel kurz angedeutet. Ich schrieb daselbst: .Es ist überhaupt undenkbar, dass das Sanhedrin während der Wirren jener Zeit innerhalb der Machtsphäre des Syrerkönigs fungiert haben sollte“ Dasselbe Bedenken gilt auch für das Abhalten von Lehrvorträgen zu dieser Zeit. Die Ausführungen Halevys in den Kapiteln 83 und 34 seines Werkes sind klar und wahr, sie sind genial erdacht und lichtvoll dargestellt,aber in diesem einen Punkte, in der Erklärung dieser Stelle, kann ich ihm nicht beistimmen. Unmittelbar vorher heisst es: ״Und die Bücher des Gesetzes, welche sie fanden, zerrissen und verbrannten sie und, wo bei jemandem ein Buch des Bundes gefunden wurde und wenn jemand Gefallen am Gesetze hatte, da verurteilte ihn der Ausspruch des Königs zum Tod e.“ Wo die Tyrannei mit solcher Grausamkeit wütete und wo noch dazu der Feind im Innern sass und die Verräter im eigenen Lager dem Tyrannen Handlangerdienste leisteten, da konnte man an das Veranstalten von Lehrversammlungen gar nicht denken. Anders war es zur Zeit der hadrianischen Verfolgungen, als Rabbi Akiba es wagte, den Befehlen des Tyrannen zu trotzen und Lehrversammlungen zu veranstalten, denn damals hatte das jüdische Volk keine Hellenisten, keine Verräter in seiner Mitte. Ferner bliebe die Frage offen, warum denn an dieser Stelle nur die allmonatlichen und nicht auch die sabbathlichenLehrversammlungen erwähnt werden, warum nicht gesagt wird, dass auch diese gestört wurden. Es ist auch meines Erachtens undenkbar, dass diese Institution — Lehrversammlungen am ראש חדש abzuhalten — späterhin aufgegeben worden wäre, wenn sie zu den בשעת השמד angefocbtenen und bekämpften Einrichtungen gehört hätte. Erfahrungsgemäss erlangten solche Institutionen dadurch eine höhere Weihe und Bewertung, sie wurden dem Volke teuer und heilig, wie alle jene Gebote שמסרו נפשם עליהם. Wie sehr das psychologisch begründet ist, brauche ich nicht nachzuweisen. Dass aber diese Einrichtung in späterer Zeit noch bestanden hätte, dafür bringt auch Halevy kein Beispiel. Was meine Erklärung betrifft, so gebe ich zu, ich wäre nicht auf den Gedanken gekommen, diese Worte auf die Frauen היורדות לטבילה zu beziehen, wenn die anderen Zeugnisse, die ich dort