Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 120)
- Language
- German
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Als Kuriosum sei erwähnt, dass תוסי ירט aus der Erklärung Maimonides’ im Mischnakommentar herausliest, derselbe habe unter אספקלריא eine ״Brille*‘ verstanden. Das wäre entschieden die älteste Brille, deren Erwähnung geschieht, und erinnert an die Bilder von Jordaens und anderen älteren Malern, auf denen Zeitgenossen des Herodes mit dem Zwicker auf der Nase dargestellt sind. Was nun die Auffassung des תוי״ט betrifft, so ist sie unzweifelhaft unrichtig. Es sei dahingestellt, ob zu Maimonides’ Zeiten Brillen schon im Gebrauch waren, — sie sollen erst Ende des 13. Jahrhunderts in Gebrauch gekommen sein, — hier hat Maimonides sicherlich nicht an eine Brille gedacht; denn er zitiert iu Hilchoth Kelim XII, 17 unsere Stelle mit den unzweifelhaften Worten מראת של זכוכית. Unsere Mischna selbst spricht ja deutlich genug, denn aus einer Brille kann man keine ״Schüssel“ machen, wie es dort heisst. Es würde zu weit führen, die Worte Maimonides’ in seinem Mischnakommentar, die תוי״ט zu dieser Ansicht verleiteten, zu erklären; es sei nur darauf hingewiesen, dass er das Wort אספקלריא als Kompositum von ״ ספק לראיהein Zweifelhaftes d. h. undeutliches Schauen“ erklärt. Derartige Etymologien fremdsprachiger Wörter waren zu jener Zeit nicht selten. 4. Glasfenster kannte das Altertum nicht; kein altgriechisches oder altrömisches Haus war mit ihnen versehen, ebensowenig kannte man sie in den Palästen Karls des Grossen oder Wilhelms des Eroberers. Erst im 10. Jahrhundert wurden Kirchen damit ausgestattet, und im 14. Jahrhundert kamen sie in reichen Privathäusern in Gebrauch. Einige Erklärer, z. B. Hartwig Wessely, meinen, dass im salomonischen Tempel bereits Glasfenster angebracht waren. Es heisst (I. Könige 6, 4) ׳:.,,Er machte die Fenster des Hauses שקופים אטומים“ und das soll bedeuten ״durchsichtig, verschlossen“, d. h. dass man durchsehen konnte, auch wenn sie verschlossen waren, wie es nur bei einem Glasfenster der Fall ist. Diese Worte werden jedoch von unseren Weisen anders erklärt, siebe Raschi z. St.' Ein anderes Zeugnis aus der Zeit der Mischna spricht meines Erachtens deutlich dafür, dass Glasfenster vorhanden oder wenigstens dass sie nicht unbekannt waren. In der Tosefta Erubin XI, 17 lesen wir: מלבן של ספקלריא וסריגי חלונות ״ פותחין וגיעלין כהןDen viereckigen Rahmen des Glases (Spiegel-