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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 117

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 117)
Language
German
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, Tatsächlich wurde im Altertum das reine, weisse Glas sehr hoch geschäzt. Im Buche Ijob 38, 1? wird es noch dem Golde gleich geachtet. Das gewöhnliche Glas hatte stets einen farbigen Schimmer; es gelang nur selten, kristalhelles Glas herzustellen. Die Kenntnis, die Glasmasse vollständig farblos zu machen, war nicht verbreitet. Es begreift sich daher, dass diese Glassorte hoch im Werte stand, wie aus verschiedenen Talmudstellen dentlieh zu ersehen ist. Dennoch erscheint uns die Beantwortung der obigen Frage durch die Tossaphoth unbefriedigend. Wie kann man sagen, das weisse Glas ist nicht mehr vorhanden, wenn es nur seltener geworden ist? Es ist auch nicht gut anzunehmen, dass es zur Zeit des Heiligtums häufiger zu finden war, wenn das Geheimnis der Fabrikation nachher nicht vollständig in Yergessenheit geraten ist. In solchen Fällen pflegt doch bei fortgesetzten Versuchen das Material häufiger und demgemäss auch billiger zu werden. Man kann aber auf diese Frage der Tossaphoth das bekannte Wort anwenden: ״ דברי תורד. עניים במקומן ועשירין במקום אחרderartige dunkle Stellen empfangen ihr Licht von anderer Seite“. Im Jeruschalmi Sukka IV g. E. kommt derselbe Ausspruch vor: משחרב ביהמ״ק בטלה זכוכית לבנה und es folgt darauf die Frage: מאי זבובית לבנה. Diese Frage kann nicht heissen: ״Was ist weisses Glas?“ Denn das konnte doch nicht zweifelhaft sein; es ist vielmehr die Frage der Tossaphoth, die der Jeruschalmi hier aufwirft, weil das ״weisse Glas“ zu seiner Zeit keineswegs verschwunden war: ,Wie kannst du sägen, dass es seit der Zerstörung des Heiligtums nicht mehr vorhanden sei?“ Die Antwort lautet: זבובית לבנה שהיתר. מתקפלת ״Es ist damit das weisse Glas gemeint, welches man zusammenrollen konnte“ d. b. das nicht spröde, wie unsere Glassorten, sondem selbst in erkaltetem Zustande noch biegsam war. Dasselbe meint auch die babylonische Gemara, obgleich sie die Worte .שהיתד מתקפלת nicht hinzufügt; sie verlässt sich eben auf die Erklärung des Jeruschalmi oder setzt sie als bekannt voraus. Die Erfindung des ״biegsamen Glases“ ist in der Tat bis auf den heutigen Tag ein heiss erstrebtes, ungelöstes Problem. Die Nachricht des Talmuds, dass es früher bekannt gewesen sei, steht aber nicht vereinzelt da, sie findet sich auch bei griechischen und römischen Schriftstellern. Plinius berichtet von einem vitrum

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