Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 115)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3486266-3486277--2164-3488970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

י81 Anders jedoch war es, wenn die Lüge die alte Geschichte Israels betraf. Historisches "Wissen war im Altertum sehr spärlich 7erbreitet und da konnten die Böswilligen ungestraft und unbehelligt ihre Lügenberichte verbreiten. Fakta, die Jahrhunderte weit zurück lagen, konntea beliebig entstellt werden, ohne dass es dem ersten besten möglich war, ihre Unwahrheit darzutun. Eine solche Lüge über den Auszug Israels aus Aegypten war im Altertum von dem Geschichtsschreiber Manetho verbreitet und auch von ernsthaften Schriftstellern in gutem Glauben angenommen worden. So erzählt Tacitus in seiner Historia V, 3: ״Als in Aegypten unter dem König Bochoris eine ekelhafte Krankheit ausbrach, befragte der König das Orakel des Ammon um Abhilfe. Dieses gab ihm den Bescheid, dass er das Land reinigen uud die den Göttern verhassten Leute aus dem Lande vertreiben solle. Es wurde daher eine grosse Menge Volkes von den Israeliten zusammengebracht und nach den Wüsteneien verbannt. Obschon sie des Weges gänzlich unkundig waren, begannen sie dennoch unter Anführung Moses’ die Heise. Aber es mangelte ihnen an Wasser, sodass sie dem Verschmachten nahe waren. Plötzlich kam eine Herde Esel daher, die gerade von der Weide zurückkehrte. Moses folgte ihrer Spur und fand auf dem grasreichen Boden reiche Wasseradern. Nachdem sie sich durch diese günstige Fügung mit Wasser versehen hatten, zogen sie sechs Tage weiter und kamen am siebenten Tage in ein Land, aus dem sie die Einwohner vertrieben, es in Besitz nahmen und dort Stadt und Tempel gründeten. Das Bild des Tieres, durch dessen Führung sie dem Verschmachten und der Verwirrung entgangen waren, erhoben sie im Tempel zur Gottheit“. Dieser Lügenbericht, der Jahrhunderte älter als Tacitus ist und den dieser nur gutgläubig nachgeschrieben hat, lässt also den Auszug Israels aus Aegypten durch die Führung einer Eselherde gelingen. Findet sich nun in der Thora, dass Mosche, zur Zeit als er mit der Befreiung Israels beschäftigt war, die Dienste eines solchen Tieres benützt hat, und sei es auch nur zum Reiten, so wäre das für die böswilligen Verleumder ein Anlass gewesen, hierin eine Bestätigung ihrer Überlieferung zu erblicken. Diese Borte von Menschen war ja zu keiner Zeit skrupulös. Wissen wir doch aus eigener Erfahrung, was man in unserer Zeit aus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.