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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 114

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 114)
Language
German
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86 hinzugekommen sind, beiin den sich die beiden letzteren noch heute. An ersterer Stelle lautet das Wort vno&yi«, an letzterer im&vfltjfUt. Schon die oberflächliche Betrachtung lehrt, dass beide Aenderungen den gleichen Grund haben müssen, weil beide Male das ominöse Wort חמור vermieden und durch ein anderes ersetzt wird. Man meint gewöhnlich, weil bei den alexandrinischen Griechen die lügenhafte Beschuldigung verbreitet war, die Juden verehrten einen goldenen Eselskopf im heiligen Tempel zu Jerusalem, sei dieses Wort in der Bibelübersetzung vermieden worden, um der Verleumdung keinen Anhaltspunkt zu bieten. Diese Erklärung kann, so allgemein gehalten, durchaus nicht befriedigen. War das Wort ovog deshalb anstössig, weshalb wurde es nur an diesen beiden Stellen unterdrückt? Gibt es nicht noch genug Stellen in der Thora, die weit eher geeignet wären, den Schein der Eselsverehrung zu erwecken, wenn man bei dieser blödsinnigen Beschuldigung sich auf Beweise aus der Thora hätte berufen wollen? Wäre es z. B. nicht weit geratener gewesen, in der Erzählung von Bileams Eselin eine solche Veränderung vorzunehmen, wo von diesem Tiere Wunderdinge erzählt werden, welche schmäbsüchtigen Heiden am ehesten hätten Anlass geben können, diese lügenhafte Beschuldigung zu wiederholen? Nimmt doch dort sogar ein Engel Partei für die Eselin und stellt den Bileam ihretwegen zur Rede! Oder etwa 1. B. M. 49,14, wo Isacbar mit einem ,Esel“ verglichen wird? In Wirklichkeit fehlt in unserem Septuagintatext das Wort ovog an dieser Stelle, aber der Talmud erwähnt nichts von einer solchen Aenderung. Auch bei Abraham (l.B. M. 22, 3) steht fast derselbe Ausdruck, wie bei Mosche, dort wird aber keine Veränderung erwähnt, es findet sich auch keine in unseren Ausgaben. Diese Fragen veranlassen uns, die obige Erklärung zu modifizieren und auf einen bestimmten Punkt einzuschränken. Wenn den Juden zur Zeit der griechischen Bibelübersetzung der Vorwurf gemacht wurde, sie verehrten einen Esel, so konnten sie diesen Vorwurf mit Gleichmut hinnehmen, denn ihr Cultus war doch zu bekannt, als dass diese unsinnige Verleumdung bei Urteilsfähigen ernstlichen Glauben gefunden hätte. Millionen Zeitgenossen konnten gegen diese Lüge als Zeugen auftreten.

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