Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 112)
- Language
- German
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84 deutung des mischnischen דדנומא, welches nichts anderes ist, als das Griechische vfisvatog mit Transposition der beiden Liquida and Abwertung der Endung oc, wie dies bei griechischen Wörtern meistens im Talmud der Fall zu sein pflegt. Die nicht transponierte Form hat sich wahrscheinlich noch an einer Stelle in Jeruschalmi Kethuboth I, 25 a, in בהימונא, erhalten. Dieser Ursprung erklärt auch ganz ungezwungen die oben zitierte Verschiedenheit in der Erklärung des Wortes zwischen Palästinensern und Baby- Ioniern. Nachdem dieses Wort, einmal auf die Hochzeitsfeierlich־ keiten angewendet wo.den war, so ergab es sich ganz natürlich, dass es verschiedene Bedeutungen annahm, je nachdem diese Feierlicbkeiten durch örtliche Gebräuche modificiert wurden. Ursprunglieh wurden Hymnen und Lieder gesungen, wenn die Braut in das Haus des Bräutigams geführt wurde. So lesen wir im I. Makkabäerbuch 9, 39: ״Da kam ein grosser, lärmender Zug, der Bräutigam mit seinen Verwandten, mit Pauken und Saitenspiel ihnen entgegen.“ Bruchstücke solcher hymenaia sind uns noch im Talmud, Kethuboth daselbst, erhalten geblieben. Politische und soziale Umwälzungen sowie die Not der Zeiten führten in derartigen Gebräuchen Aenderungen herbei, wie uns dies in Bezug auf einige derselben in der Mischna Sota IX, 14 ausdrücklich bezeugt wird. In späterer Zeit war es Sitte in Palästina, die Braut in einer Art Sänfte in das Haus ihres zukünftigen Gemahls zu tragen, deshalb wurde die Sänfte als הינומא bezeichnet, wogegen in Babylonien, nach der damals herrschenden Sitte, diese Bezeichnung auf die Myrtenlaube übertragen wurde, in der die Braut an ihrem Ehrentage sass und zuweilen auch einzuschlummern pflegte; vgl. Kethuboth 17 b. Nach dieser Erklärung wird es uns auch gelingen, in die oben angeführte Stelle Licht zu bringen. Gerade so wie eine Sprache aus der anderen die Ausdrücke nicht ganz rein hinübernimmt, sondern nach den in ihr geltenden Lautgesetzen modifiziert, in eben demselben Masse verändert sie auch die ursprüngliche Bedeutung derselben, indem sie sie entweder erweitert oder einschränkt. Schon im Lateinischen wird das Wort bymenaeus bei den Dichtern in übertragenem Sinn, nach einer Begriffserweiterung, die ganz gewöhnlich ist, auf geschlechtliche Verbindungen jeder Art angewendet (vgl, die Lexica), und in diesem Sinn haben