Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3486266-3486277--2157-3488963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
80 feuchten Scheiben sich auf Stirne und Schläfen legte, uni sie abzukühlen); Babba kühlte sich ab mit ינוקא. Baschi gibt keine Erklärung dazu. ינוקא bedeutet im Aramäischen ״Kind“, und es bedarf keiner langen Auseinandersetzung, dass diese Bedeutung hier nicht passt. Ein Kind ist kein Objekt, mit dem man sich abkühlen kann. Die erste Erwägung scheint uns nahezulegen, dass wir hier einen Abschreiberfehler vor uns haben. In der Tat steht im Dikduke Sofrim statt ינוקא die Lesart בוצינא, welche einen guten Sinu gibt. Aber diese Lesart ist kritisch sehr verdächtig. Es ist gar nicht einzusehen, wieso aus dem ganz verständlichen und zur Sache passenden בוצינא die unverständliche und unpassende Lesart ינוקא hätte entstehen können. Wenn irgendwo, so ist hier der erste Grundsatz der Textkritik anwendbar, dass die leichtere Lesart die kritisch verdächtigere ist. Mit Ausnahme des Manuskripts München haben auch alle Manuskripte und alten Ausgaben, ebenso Ascheri undAlfasi : ינוקא. Tur und Schulcban Aruch Orach Chajim § 613,9 müssen auch diese Lesart gehabt haben, denn sie machten aus ינוקא frischweg תינוק, wobei allerdings zwar der Ausdruck deutlicher geworden, für das Verständnis aber nichts gewonnen ist. Folgende Erklärung löst meines Erachtens alle Schwierigkeiten. Nach Baschi Sucka 56 b und noch an anderen Stellen, ist בוצעא ein junger Kürbis, im Gegensatz zu קרא, welches einen ausgewachsenen Kürbis bezeichnet. Er erklärt damit die Bedensart: ״ בוצינא מב מקראLieber einen jungen Kürbis sogleich als einen ausgewachsenen später.“ Ähnlich dem deutschen Sprichwort: ״Liebereinen Spatzen in der Hand, als eine Taube auf dem Dache“. Die jungen Triebe einer Pflanze heissen im Hebräischen ינוקת (Jesaja 53, 2). Der junge Kürbis kann daher auch aramäisch ינוקא heissen, im Gegensatz zu קרא, dem ausgewachsenen, umsomehr, wenn man bedenkt, dass das vorhergehende קרא sich auch auf das folgende ינוקא beziehen kann, also קרא ינוקא ein junger Kürbis. Damit sind alle Schwierigkeiten gelöst. Die Lesart des Manuskripts München בוצעא ist nur eine erklärende Randglosse für das leicht zu missverstehende ינוקא gewesen, die dann durch einen Ab- Schreiber in den Text geraten ist. Als Erklärung ist sie jedoch richtig, indem ינוקא dasselbe ist wie ימדנא Indirekt wäre dadurch