Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1909-01-01 · VI. 1908 - 5669 (1909) · page 97

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VI. 1908 - 5669 (1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 97)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3486266-3486277--2146-3488952
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

denn^nicht von einer ״Eierschale“, sondern von einem ״Sumpfrohr“ ist hier die Eede. Es scheint mir, dass letztere Erklärung, resp. Lesart, die richtige sei. Der Ausdruck שפופרת wird nirgends für ״Eierschale“ gebraucht, denn dafür hat der Talmud, unserem Sprachgebrauch entsprechend, den Ausdruck קליפה, vgl. Bezah 4 & u. ö. *)• שפופרת heisst überall ״Rohr“, sei es nun ein Naturprodukt oder ein künstlich gemachtes wie Erubin 43 b. Die massgebenden Kommentatoren der älteren Zeit haben meines Wissens diese Erklärung nicht, erst ר״ע מברטנורא führt die Erklärung ״Eierschale“ ein. Wenn Levy NHWB s. v. das Aruchzitat unserer Stelle mit ״Eierschale“ übersetzt, so kommt das auf seine, nicht auf des Aruch Rechnung. Entscheidend aber dürfte die Stelle in Leviticus Rabba sectio 16 sein, wo es heisst, die jüdischen Jungfrauen zur Zeit des Jesajas hätten sich unter die Fusssohlen ein mit wohlriechendem Balsam gefülltes שפופרת של ביצה gesteckt, und wenn ein Jüngling vorüberging, hätten sie mit dem Fusse darauf getreten, um den Balsarageruch ausströmen zu lassen und die Aufmerksamkeit zu erregen. Hier ist es doch klar, dass das nur ein elastischer Gegenstand, wie ein Rohr, nicht aber ein spröder, wie eine Eierschale, sein kann. Es ist nicht von Belang, dass Aruch an unserer Stelle eine andere Lesart hat. Er liest : ״ שלפוחית של תרנגולKropf eines Hahnes“; ob dieser zu einem solchen Verfahren geeignet ist, weiss ich nicht, es scheint mir aber, dass diese Lesart der Pessikta de-Rab Kahana entnommen ist, sonst wäre es unbegreiflich, woher unsere Ausgaben zu ihrer Lesart kommen, wenn sie nicht gut beglaubigt wäre. Dagegen ist es leicht erklärlich, dass ein Abschreiber, der שפופרת של ביצה im gewöhnlichen Sinne als ״Eierschale“ verstand und die Sache nicht begreifen konnte — was auch bei Straschun in seinen Noten zum Midrasch der Fall ist — unsere Lesart mit der der Pessikta vertauscht hat. In meinem Besitze befindet sich eine alte jüdisch-deutsch übersetzte Tefilla, in Wilhermsdorf 1718 gedruckt, dort ist in der Tat ״Bizzah“ zu lesen und die Uebersetzung von ,שפי של ב lautet M Raschi zu 2. Mos. 15,14 gebraucht allerdings של ביצרי rrrwr für »Eierschale“, was aber für Mischna und Talmud nichts beweist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.